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8 Jahre NightWash
Vor 8 Jahre gründete ich in einem Kölner Waschsalon die Comedy Show NightWash. Mittlerweile haben wir 150 TV-Shows produziert, etliche Talente gefunden, gehen jedes Jahr auf Tour und haben in 14 deutschen Städten unsere NightWash Clubs.
Doch nichts ist so spannend wie der Anfang. Ich bin immer noch erstaunt, dass es NightWash überhaupt gibt… 20.Juni 2000 Es ist 20:00 Uhr in Köln, genau genommen mitten im belgischen Viertel. Tolles Wetter, knapp 25 Grad. 9 Künstler treffen sich in einem Waschsalon, um ein kleines Wagnis ein zugehen.

Im Januar hatte ich die wage Idee, eine Stand-Up Show in einem Waschsalon auf zu ziehen. Die Idee fand ich toll und jeder, dem ich sie erzählte, auch. Nur konnte es sich keiner vorstellen, dass so etwas klappen könnte. Ehrlicherweise muss ich hinzufügen, einer der größten Zweifler war ich selber. Drei Wochen habe ich gebraucht, um überhaupt den Waschsalonbesitzer ans Telefon zu bekommen und dann hatte es noch einmal zwei Monate gedauert bis ich ihn von dieser Idee überzeugen konnte. Naja, überzeugt ist wohl zuviel gesagt. Unter der Bedingung, dass wir niemanden stören würden und der Betrieb ganz normal weiter ginge, könnten wir uns gerne mal eine Stunde auf die Fensterbank stellen und irgendwas erzählen. Zwei Termine bekam ich zu gesagt: Den 20. Juni und den 04. Juli 2000.
Jetzt hatte ich eine Ort aber noch keine Künstler. Immerhin hatte ich schon die “Band”:
Alex Flucht, ein alter Freund und Weggefährte, erklärte sich bereit, sich um Musik und Technik zu kümmern und
Guido Schröder übernahm die Fotoaufnahmen. (so was konnte ich schon immer gut organisieren). Ein kleines Problem gab es leider doch noch, ich wollte unbedingt die neuen Talente fördern, aber mir ging es wie den meisten, ich kannte sie gar nicht. Und bis heute kann ich nicht sagen wie ich dann wirklich an sie heran kam. Vielleicht weil ich einfach alle gefragt habe, die irgendwie aufgetreten sind und immer noch nicht ganz wussten was aus ihnen werden soll.

Johannes Flöck war einer der Ersten, der mir zusagte. Ihn kannte ich aus Koblenz, weil er meine Schwester kannte. Das Problem war nur: Er machte noch gar keine Stand-up-Comedy, sondern mit seinem damaligen Partner Dirk Zimmer eher so eine Art Koblenzer Figurenkabarett. Interessant – so könnte man den Auftritt am besten beschreiben. Ich hoffe Johannes ist mir nicht böse, wenn ich sage, dass er mit seiner Figur “Max Kunstleben” keiner der regelmäßigen NightWash Stars und Moderatoren geworden wäre. Aber spannend war es….

Als nächstes sagte mir
Sonja Kling zu, die ich bei einem Messejob angesprochen habe, ob sie nicht Lust hätte mal was in einem Waschsalon zu machen, natürlich ohne Gage. Erstaunlichweise sagte sie mir zu. Die Nummer war es auch. In einer sehr realistischen aber auch absurden Weise zerlegte sie als Dr. Kling ein aufgetautes Brathühnchen. Kein Wunder, dass sie jetzt festes Ensemblemitglied der Münchner Lach- und Schießgesellschaft ist.
Michel Birbaek (toller Typ) las zum Thema Frauenliteratur. Was beweist, dass NightWash nicht nur Stand-up Comedy neu belebt hat, sondern nebenher auch noch Poetry Slam anschob und dass zu einer Zeit, in der mir der Begriff selbst noch nicht viel sagte. Ich glaube Michel ist zu uns gestoßen, weil er mit Sonja befreundet war. Das wäre zumindest ein Grund….
Marius Jung, der nächste Künstler, kannte ich von Galas und Messejobs. Er war fast schon der erfahrenste Künstler mit locker 15-20 Stand-up Auftritten. Er brachte (ein Kalauer muss sein) etwas Farbe in die Show und ich muss sagen er war und ist immer noch einer der besten Multiplikatoren der Szene. Er hat uns in der Anfangszeit viele Tipps für neue Künstler gegeben. An dieser Stelle noch einmal Danke dafür!
Martin Quilitz kam extra aus Berlin und ihn konnte man noch am ehesten als klassischen Stand-up Comedian bezeichnen. Ich wunderte mich zwar warum sein Humor für einen Berliner so staubtrocken war, aber nur bis ich raus bekam, dass er eigentlich aus Ost-Westfalen kam. Warum sind die dort alle so lustig? Haben die sonst nichts zu tun? Wieso er aber bei mir aufgetreten ist, weiß bis heute nicht.
Das gilt auch für den nächsten Künstler, der auch zugleich der Abräumer des Abends war – Martin Reinl mit seinem Köln-Gedicht. Habe ich gelacht. Sogar nach 8 Jahren weiß ich noch worum es ging. Zum Glück ist er ist ja mittlerweile mit seinen Puppen und seiner eigener Produktionsfirma gar nicht mehr aus der deutschen Fernsehlandschaft weg zu denken
Wir kamen um 20:00 Uhr und gingen um 22:15 Uhr und alles dazwischen ist Geschichte. Wir brauchten schon damals genau 25 Minuten für Aufbau und Soundcheck und wie immer fehlte ein Kabel. Nur im Gegensatz zu heute war der Waschsalon noch nicht voll besetzt mit Zuschauern, sondern, wer hätte es auch anderes erwartet, er war leer. Ganz leer war natürlich nicht: 3 einsame Wäscher schauten uns verdutzt an und verstanden nicht was in ihrem Waschsalon abging. Nervös wie ich war, hab ich es ihnen erklärt, aber auch das haben sie nicht verstanden. Vielleicht war das Konzept doch noch nicht ganz aus gereift, möglicherweise lag es aber auch nur an der Tatsache, dass sie kein Deutsch konnten.
Um 21:00 Uhr hatten wir 20 Zuschauer, was ich für eine akzeptable Anzahl hielt. Zumindest habe ich es so den anderen Künstler erklärt. Doch dann passierte das, was den Waschsalon so besonders machte. Da wir ja vor einer Fensterscheibe auf der Fensterbank spielten, konnte man uns auch von außen sehen und das war anscheinend sehr auffällig, denn immer mehr Leute blieben neugierig stehen. Noch heute glaube ich es interessierte sie weniger was wir machten als vielmehr die Tatsache dass wir was machten. Doch hätten jetzt zwei Menschen nicht die Chance, die sich bot ergriffen, die Leute würden jetzt noch draußen stehen. Mein großer Dank gilt zwei besonderen Menschen: Meinem Freund Guido und vor allem meiner Frau Natascha (sie hatte die Waschsalon Idee auch mit mir ausgearbeitet), denn die beiden standen an der Tür und luden die Leute ein, in den Waschsalon zu gehen. Und wären die beiden nicht so nett und so cool zugleich gewesen, nie wäre jemand rein gekommen. In Deutschland steht man doch lieber vor einer sicheren Fensterscheibe als das man an etwas teilnimmt, das man nicht kennt. Und dann auch noch kein Eintritt? Was soll das denn sein?
Egal, irgendwie haben sie es geschafft, dass aus 20 Zuschauern im Laufe des Abends 90 wurden und da hatte ich zum ersten Mal das Gefühl hier entsteht etwas Besonderes…
Das ist ja echt klasse mal die ganze NightWash-Story zu hören. Ist ja tatsächlich aus dem Nichts entstanden. Ist schon toll wie bekannt die Show jetzt ist. Weiter so, Knacki!
Ich geb mir Mühe. Freue mich , dass jetzt schon die Ersten auf diesem Blog gelandet sind. Mit diesem Blog geht es mir ein bißchen wie mit NW. Ich habe diese Idee eine längere Zeit mit mir herum getragen, aber in dem Moment wo ich den ersten wirklich konkretten Schritt gemacht habe, geht es fast wie von alleine. Nur dieser erste Schritt……….ganz schön schwierig. Danke!
Find ich super, dass du die Geschichte von NightWash nochmal aufgeschrieben hast. Schon wahnsinn was daraus geworden ist.. Hoffe, es geht immer so weiter
LG
[...] 8 Jahren begann NightWash mit 20 Zuschauern und diesen Freitag (27.06.08) spielten wir nun vor über 900 [...]
[...] Aus dieser Überlegung heraus habe ich damals einen Auftrittsort gesucht, der in einer Großstadt liegt mit vielen Studenten, wenig oder keinen Eintritt kostet und so ungewöhnlich ist, dass alle drüber reden. Dieser Auftrittsort war am Anfang wichtiger als der Talentgedanke. Ich schwankte zwischen einer Bushaltestelle, einer Metzgerei, der Drehtüre des Hiltons und einem Waschsalon. Letztendlich wurde es der Waschsalon (siehe auch Artikel zu „8 Jahre NightWash”). [...]
Hey K.J.,
Ich dachte es ist mal Zeit das ich auch ein paar Seilen niederschreibe.
Dich habe ich vieles von meiner heutigem Erfolge zu verdanken. Es war erst mein vierte Auftritt in Germany überhaupt und du hast mich (ohne vorherigem anschauen oder video) erlaubt im Januar 2001 bei “BayWash”, wie NightWash zuerst hiess, aufzutreten.
Es war ein “Dream come true” für mich, Stand-up zu machen und durfte die Bühne mit Profi’s wie Hennes Bender und Mario Bart und Heinz Grönig teilen.
Die Show war auch an den Abend für eine Reportage auf “Volle Kanne Suzanne” aufgezeichtnet. Also mein vierte Auftritt überhaupt, und dann ein kurzen Clip im TV wegen deiner Show. Vielen, vielen Dank.
Langer Zeit fühlte ich mich wie ein Roadie für die Show, oft als erster da and als letzter zu gehen. Mehrmals hatte ich der Gelegenheit meiner ungewohnte American-Style Comedy bei dir auzuprobieren und hab immer wertvolle Tips von dir bekommen. Leider hat mein Beruf mich daran gehindert in den letzten Jahren oft genug dabeizusein.
Du hast mir sogar mit der outline für meine eigene Comedy Show geholfen; “Hollywood’s Comedy Nights”, Deutschlands erster All-English Stand-up Comedy Show und inzwischen seit 6 Jahren festen Bestandteil des Köln Comedy Festival. Leider haben wir es bisher nicht geschaft dich in einer unsere Shows zu kriegen.
Also, um das hier abzuschliessen, möchte ich nochmals danke sagen und ich kann mir nicht vorstellen wie der Comedyszene in Germany Heute aussehen würde, wenn es dich und deiner Show nicht gebe. Du hast der Comedy Kultur mit Nightwash echt berreichert. Du bist ein echter Pionier.
Nuff Said!
Cheers, Smiles and Laughs,
Johnny Hollywood
Hi Johnny, das ist ja ein netter Beitrag, ich wurde beim Lesen etwas rot. Es ist nie einfach in einer fremden Sprache lustig zu sein, aber mit der nötigen Hartnäckigkeit und den richtigen Funny Bones hast du es geschafft. Und in deine Show schaffe ich es noch. Gruß KJ
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Das Blog ist die Plattform für neue Ideen, exklusive Interviews, regelmäßige Kolummnen und interessante Reviews die eines gemeinsam haben - es geht um Comedy.
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