Wie löse ich ein Problem von dem ich überhaupt keine Ahnung habe?!! (Teil 1/3)

Ins kalte Wasser springen, den ersten Schritt machen, neues Terrain betreten – all dies sind Umschreibungen für Situationen im Leben bei denen es heißt, völlig Neues zu machen. Das ist in den seltensten Fällen einfach.
Genau vor so einer Herausforderung stand ich vor kurzem und wusste nicht weiter…
Es folgt eine kurze Fallstudie in drei Etappen:
1. Wie konnte ich bloß?!!
Beim Anfertigen einer Abiturrede begann ich über grundsätzliche Strategien zur Lösung beruflicher und persönlicher Probleme nachzudenken.
2. Problemzone „Der Anfang“
Nichts ist so schwierig wie anfangen. Aber kann man sich das Anfangen nicht irgendwie erleichtern? Doch!!
3. Tipps zum Anfangen
Mein persönlicher Erfolgsfaktor Nr. 1 für Problemlösungen: Einfach mal anfangen! Toll, aber 1-2 weitere Tipps könnte man trotzdem noch gebrauchen? Kommen!!
Den ersten Teil gibts heute und hier auf Deuser or Die:
Teil Eins: „Wie konnte ich bloß?!!
Manchmal sagst du Sachen zu, wo du dich hinterher die ganze Zeit fragst: „Wie konnte ich bloß?!!“
Letztes Jahr bin ich von einem Gymnasiums angesprochen worden, ob ihre 13. Klasse nicht einer Aufzeichnung von NightWash beiwohnen könnte und ob ich nicht begleitend eine Vorlesung in der Schule zum Thema Comedy (Wie fange ich an, kann man davon leben, etc.) halten würde.
Habe ich gemacht und anscheinend hat es den Schülern so gut gefallen, dass sie mich gefragt haben, ob ich nicht ihre Abiturrede halten könnte.
Ich habe mich richtig geehrt gefühlt und sofort ohne viel nachzudenken zugesagt.
Hätte ich mal! Leider habe ich mich erst danach gefragt, was erzähle ich denn überhaupt?
Problem
Nun ich kann über viele Dinge reden und wenn es sein muss auch lange.
Aber nichts fiel mir ein, was irgendwie zu einer Abiturfeier passen könnte. Hätte ich bloß etwas länger bei meiner Zusage nachgedacht – habe ich aber nicht. Pech. Mein Pech!
Nun, wie ging ich vor, um vielleicht doch etwas Passendes zu finden? Ganz intuitiv machte ich das, was viele Menschen machen, wenn sie vor einem Problem oder Projekt stehen, das ihnen unbekannt und dadurch oft unangenehm ist, ich überlegte intensiv wie ich wieder drum herum kommen könnte.
Exit-Startegie?
Ich habe ja immer viele Termine, vielleicht kommt eine wichtige Fernsehaufzeichnung dazwischen? Klingt immer gut. Oder ich werde einfach krank. Vielleicht nicht schwer, aber so das ich nicht reden kann. Oder ich besorge einen Ersatzredner. Ich hatte auch schon einige Gespräche diesbezüglich geführt.
Nicht nur, dass ich einiges an Zeit aufbrachte um mir einen Ausweg auszudenken, ich musste auch schon auf die ständigen Anfragen reagieren: Herr Deuser ist die Rede schon fertig? Wie lautet der Titel? Wie lang ist sie? Können sie uns schon einmal das Manuskript schicken?
Bitte, schicken?
Panik, ich fühlte mich plötzlich wieder wie in der Schule: „Klassenarbeit und ich war nicht vorbereitet.“
In einem solchen Moment der Panik fiel mir eine alte Schulgeschichte ein.
Ein Freund und Klassenkamerad von mir wusste, dass er in der nächsten Geschichtsstunde geprüft werden würde. Der Gang von Canossa
(König Heinrich der IV versus Papst Gregor der VII im Jahre 1077). Und diese Prüfung war entscheidend für seine Versetzung. Mit einer „5“ in Geschichte wäre er weg.
Daraufhin hat er seine zwei besten Freunde zusammengetrommelt und einen detaillierten Plan geschmiedet, wie er dieses Problem lösen könnte. Und ich muss sagen, wir haben einen super Plan geschmiedet. Einen Plan den nur äußerst verzweifelte Schüler schmieden können. Einen Plan der abgeschlossene Türen, eine bearbeitete Tafel, einen manipulierten Kartenständer, konzertierte Störungsaktionen und eine verblüffende Krankmeldungen beinhaltete.
Wir waren die ersten in der Schule, die ersten in der Klasse, haben die Pause sausen lassen, um alles bis ins kleinste Detail zu besprechen. Wahnsinn, ich wusste gar nicht, dass 14 jährige Jungens zu einer solchen logistischen Meisterleistung im Stande waren. Und hätte die Schulstunde dieses eine mal ausnahmsweise nur 40 min gedauert, wir hätten gewonnen. Hat sie leider nicht.
Selten sind drei junge Menschen so großartig gescheitert. Und für zwei von uns hatte es ja auch keine Auswirkungen…
Und nun?
Aber auf die Idee, statt all dieser unglaublichen Vorbereitungen einfach mal 1 Stunde lang zu lernen, auf diese abwegige Idee ist damals keiner von uns gekommen. Wie uncool.
Aber hätten wir stattdessen gelernt, hätte er nicht nur keine „6“ bekommen. Wir hätten auch noch einen Ausweg gewusst. Das konsequente zu Kreuze kriechen in dezenter Kleidung vor dem geistigen Richter. Der Gang von Canossa und der Beweis, dass Geschichte auch manchmal was fürs Leben bringen kann.
Doch genau in diesem Moment hatte ich das Thema für meine Abiturrede: „Meine erste Abi-Rede – wie löse ich ein Problem von dem ich keine Ahnung habe?“ Das klang jetzt ein bisschen zu prosaisch, deshalb habe ich sie genannt: „Abi-Rede – muss das sein?“
Als ich den Einstieg einmal hatte, kam der Rest fast wie von selbst. Und ich sprach über das, was ich schon bei einigen Anlässen als eine der schwierigsten Aktionen im ganzen Leben beschrieben habe: Anfangen!
Am Donnerstag gibts den zweiten Teil des Ratgebers. Hier erfahrt Ihr, wie man sich eben diesen Anfang erleichtern kann…

Sehr tolle Geschichte, kannst ruhig mehr aus deiner Schulzeit berichten
Bin schon gespannt wie es weitergeht.
Das erstaunliche ist wie Erinnerungen plötzlich wieder zurück kommen, wenn du an irgendeiner Stelle etwas tiefer gräbst.
[...] ich mir im ersten Teil ein paar grundsätzliche Strategien zur Lösung beruflicher und persönlicher Probleme gemacht [...]
[...] Grundproblem in vielen Lebenssituation liegt im Anfangen durfte ich in Teil 1 herausfinden. Wie wichtig es ist doch endlich mal loszulegen zeigt Teil 2 der Serie. Im dritten [...]
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