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Stand-Up A-Z: P wie Publikum lesen

KJ Deuser 23. Juli 2008 kein Kommentar

NightWash Publikum

Eine der wichtigsten, wenn auch nicht immer einfachsten, Regeln für Stand-Up lautet:
Spiele für das Publikum, das da ist!
(Und nicht für das Publikum, das du dir wünscht, das da ist.)
Jeder der einmal aufgetreten ist, hat sich sicherlich vorher einmal vorgestellt wie sein perfektes Publikum aussehen sollte. Leider entspricht das tatsächlich anwesende Publikum selten dem, was wir uns beim Schreiben oder bei der Probe vorstellen. Anders als beim reinen Schauspieltheater, wo die Zuschauer eher die Rolle des Voyeurs haben, kommunizierst du bei Stand-Up direkt mit deinen Zuschauern. Du sprichst sie an, stellst Fragen, reagierst auf Störungen oder anwesende Personen.
Das geht nur, wenn du wirklich auf die Anwesenden eingehst.

Beispiel:
Wenn du selber Mitte zwanzig bist und vor dir nur Studenten sitzen und du sie, wie du es von deinem letzten Varieté-Engagement gewöhnt bist, ständig mit „meine Damen und Herren“ ansprichst, wirst du ganz schnell unglaubwürdig. Sprich sie so an wie du es im wirklichen Leben machen würdest. Stand-Up steht für klare, freche und lustige Ansprachen und nicht für „sehr geehrte Damen und Herren“.

Ich weiß viele Künstler tun sich schwer: Siezen oder Duzen? Ich weiß selber wie schwer man sich damit tut. Aber diese Frage musst du persönlich ganz klar für dich klären.
Ich persönlich duze bei NightWash und meinen eigenen Shows. Bei Galas und Konferenzen sieze ich. Und wenn ich nicht weiter weiß, versuche ich mich geschickt drum herum zu reden oder ich gehe möglichst an diesen Problemfällen vorbei. Doch auch das geht nur, wenn ich mich wirklich mit meinem Publikum beschäftige.

Gefährlich ist es nur, wenn du bei deiner Show zwischen Sie und Du wechselst! Intuitiv siezt man ältere Menschen. Oft habe ich gemerkt wie diese sich dann beleidigt gefühlt haben, weil ich sie öffentlich als „alt“ gebrandmarkt habe. Vorsicht!! Wenn du duzt, dann ziehe es durch.

Ein einfacher Trick ist es, sich eine Kleinigkeit über die Stadt, in der man auftritt, auszudenken.
Aber: Übertreibe es nicht mit den Anspielungen auf den Ort. In der Regel reicht einmal um klar zu stellen: „Ich weiß wo ich bin, ich bin vorbereitet und ich weiß ganz genau wie man in dieser Gegend tickt.“ Alles andere kann sehr schnell nerven.

Weil ich immer wissen möchte „wer sitzt vor mir, wie sehen die aus, wie alt sind sie?“ ist die Lichtsituation ganz entscheidend. Einerseits möchte ich gerne soviel wie möglich vom Publikum sehen, andererseits müssen sich die Zuschauer wohl fühlen.
Du solltest immer dein Bühnenlicht unter realen Bedingungen (Saallicht wie bei Auftritt) testen. Wenn du niemanden siehst, versuche das Saallicht zu ändern, aber checke dieses bitte im Saal gegen. Wenn es für die Zuschauer unangenehm wird, musst du einen Kompromiss finden. Lass dich bei diesem Test nicht von Technikern und Veranstaltern nervös machen. Gerne hört man Sätze wie: „Dieses Saallicht ist bei uns üblich.“
Vergiss es! Es ist deine Show und dein Publikum.

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