Was ist die Idee hinter NightWash? – Zuschauer!!!

Wenn von NightWash gesprochen wird, wird fast immer herausgehoben, dass NightWash eine Talent-Plattform ist. Hier können sich neue Künstler und Künstlerinnen ausprobieren, hier werden und wurden sie zum Teil gefunden.
Richtig – aber es war nie die ursächliche Idee.
Für mich ist die Förderung neuer Künstler und das Schaffen von Räumen in denen neue Dinge entstehen können eine Selbstverständlichkeit. Kunst und dazu zähle ich auch Comedy, kann nur überleben, wenn sie sich ständig weiterentwickelt.
Meine mittellange Lebenserfahrung zeigt mir: Die wirklich neuen Ideen kommen fast immer von den Jungen. Die Betonung liegt auf fast…
Aber damit sich eine vernünftige, d.h. eine ab und zu auch mal lustige Comedykultur entwickelt, muss sich das Livegeschäft in Deutschland noch stark verändern.
Unterhaltung ist immer eine zweiseitige Angelegenheit. Künstler und Zuschauer. Verständlicherweise sind Künstler enorm wichtig und es hilft auch, wenn sie ihr Metier beherrschen und ambitioniert sind. Doch ohne Zuschauer geht es nun mal auch nicht. Diese Seite wird häufig sträflich behandelt. Entweder wird das Publikum unterschätzt oder es wird erst gar nicht angesprochen.
Im Fernsehgeschäft werden die Zuschauer gerne von den Sendern als Deppen behandelt, die alles wollen bloß kein Niveau und Neuerungen.
Im Internet sind nur Teens, denen man versucht zu erklären, dass man nur dann richtig surfen kann, wenn man sich im Cola-Rausch, allein getragen von seinen Nikes, die 12. Spielkonsole kauft.
Und in den Kleinkunstbühnen akzeptiert man oft nur Menschen ab fünfzig als vernünftige Zuschauer, denn nur die haben Zeit und Geld für die Eintrittspreise und nur sie bestellen in der Pause mal ein Getränk. Außerdem gibt es ja keine jungen Menschen mehr.
Damit ist meine Idee auch schon fast verraten. Zuschauer!!!
Mehr Zuschauer, die Stand-Up-Comedy schätzen und genießen können. Wir wollen zwar lachen, wissen aber eigentlich nicht genau, wann, wie und worüber und ob es überhaupt korrekt ist. Deshalb gibt es ja auch dieses ständige Unterscheiden zwischen Kabarett und Comedy. (Wenn das mal aufhört, ist Deutschland einen riesigen Schritt weiter.)
Eine vernünftige und hochwertige Comedy-Kultur kann sich nur entwickeln, wenn es auch Zuschauer gibt, die diese Form mittragen.
Wo sollen jetzt die Zuschauer herkommen und wie spricht man potentielle Zuschauer an?
Zwei Faktoren waren mir damals wichtig. Wer ist kurzfristig offen für eine neue Kulturform und welche Werbemittel sind bezahlbar?
Offen sind für mich fast alle Menschen bis Anfang 30 und ab 55. Die dazwischen sind eigentlich verloren. Die wollen eigentlich nie lachen und wenn dann nur mit dem oben beschriebenen Niveau.
Und wenn ich nur ein sehr begrenztes Werbebudget habe, ist Mundpropaganda eines der besten Hilfsmittel. Das funktioniert aber besser bei jüngeren Menschen.
Aus dieser Überlegung heraus habe ich damals einen Auftrittsort gesucht, der in einer Großstadt liegt mit vielen Studenten, wenig oder keinen Eintritt kostet und so ungewöhnlich ist, dass alle darüber reden. Dieser Auftrittsort war am Anfang wichtiger als der Talentgedanke. Ich schwankte zwischen einer Bushaltestelle, einer Metzgerei, der Drehtüre des Hiltons und einem Waschsalon. Letztendlich wurde es der Waschsalon (siehe auch Artikel zu „8 Jahre NightWash”).
Wie an anderer Stelle beschrieben, war ich selber überrascht, dass meine Idee aufging.
Aber mir wurde schnell klar, man geht vielleicht zwei bis drei mal wegen der ausgefallen Location zu einer Veranstaltung, danach kommt man aber nur wieder, wenn das Programm auch gut ist.
Diese längerfristige Bindung kann nur über die Qualität der Show und der Künstler gehen. Da merkte ich schnell, dass wir ganz stark auf die New Talents bauen mussten. Denn die waren da und wussten zum Teil gar nicht, wo sie auftreten sollten – aber das ist eine andere Geschichte.
Der Zuschauergedanke war letztendlich der Auslöser für NightWash und ist gleichzeitig auch der Grund warum wir immer noch funktionieren. Denn schnell haben wir versucht unsere kleine Nischenberühmtheit live auszubauen, um uns unabhängig vom Fernsehen zu machen.
Schnell kamen wir auf die übliche Idee einmal im Jahr auf Tour zu gehen. Kennt man ja. Man benützt etwas, das gerade angesagt ist und geht damit Tour.
Aber die eigentliche Revolution ist, dass wir in immer mehr Städten (Stand 08.08.08: 17 Städte) so genannte „NightWash-Clubs” aufbauen. Einmal oder alle zwei Monate bringt NightWash eine klassische Stand-Up-Show an diesen Ort.
Ein Moderator und vier Künstler, jedes mal eine vollkommen neue Show mit immer wechselnden Künstlern und Moderatoren, die wir in Köln zusammenstellen und das mit der Garantie mindestens ein Jahr lang durchzuhalten.
Die Tour ist nur die Zweitverwertung der Fernsehbekanntheit. Das Clubsystem hilft eine Langfristigkeit aufzubauen. Und tatsächlich merken wir wie die Zuschauer immer mutiger werden und regelmäßig zu den Clubs kommen, selbst wenn sie die auftretenden Comedians nicht kennen.
Natürlich heißt das für uns, dass wir immer top Shows präsentieren müssen, aber da die Nachfrage steigt, wird auch das Angebot auf Seiten der Comedians größer. Denn nichts macht einen Comedian besser als auftreten, auftreten, auftreten. Und das können wir durch die Clubs garantieren.

Hallo Knacki,
wann gibt es denn einen NightWash-Club in Stuttgart?
Liebe Grüße
der Lukas
Hi Lukas, Stuttgart ist tatsächlich im Gespräch. Da könnte man sich ja mal wieder treffen. Gruß KJ
Servus KJ,
der Lukas ist ein Fuchs, er fragt das gleiche was ich jetzt frage, da fragt sich erstmal wer wem den Gedanken aus dem Hirn abgesaugt hat – tja ich bin auch Stuttgarter und das Leben dort ist trotz toller bunter Großdiscos und morgentlichem Stau kulturell am Boden. Deshalb – du hast Support! Ich bin genauso dabei und maximal interessiert die Szene mit Nightwash@S zu beleben und auch verbale Attacken selber zu starten. Man könnte sich da direkt mal austauschen und die Möglichkeiten offen legen…fällt mir schon gut was im Vorfeld ein. KJ …bitte melden.
Bis die Tage,
Tom
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Mein Name ist Klaus-Jürgen Deuser. Als TV- und Live-Produzent, Moderator und Unternehmer schreibe ich über Dinge die mich bewegen.
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