Stand-Up A-Z: T wie Tonprobe (Text)

(Hinweis für Lesefaule: T wie Tonprobe gibt es auch hier als Video.)
Die Tonprobe oder neudeutsch der Soundcheck ist eine kleine lästige Angelegenheit, die oft dafür sorgt, dass man häufig schon drei Stunden vor dem Auftritt am Auftrittsort sein muss.
Auch wenn es gelegentlich Veranstaltungen gibt, wo man sich diese Probe wirklich schenken kann – ich hatte mal einen schwerhörigen Tontechniker, was für ein Spaß – so würde ich im Zweifel immer zum Soundcheck gehen.
Diese Probe erfüllt zwei (Haupt-)Ziele:
1. Der Tontechniker passt deine Stimme dem Raum an. Gerade bei Mixed-Shows (mehrere Künstler) ist es wichtig, dass ein gleichmäßiger Gesamtsound gefunden wird. Nicht dass der eine brüllend laut ist und der andere irgendwo im Hintergrund rumpiepst (in der Regel können die Tonleute auch ihren Job und wenn nicht, hat man später eine weitere Episode aus dem reichhaltigen Tourleben zu erzählen).
2. Der Künstler kann sich so ein Gefühl verschaffen wie er/sie im Raum klingt. Ist er verständlich, hallt der Raum, kann er die Reaktionen des Publikums hören? Zusätzlich kann er sich mit seinem Arbeitsgerät, Mikro und Stativ, vertraut machen. Ich habe es schon erlebt, dass jemand den Mikroständer nicht verstellen konnte, weil in diesem einen Fall das Gewinde andersherum (als gewöhnlich) auf zu schrauben war.
Grundsätzlich gibt es zwei Tonphilosophien. Die einen wollen sich selber auf der Bühne perfekt hören, die anderen wollen den Raum incl. Zuschauer möglichst real, eins zu eins, authentisch wahrnehmen.
Diesbezüglich sollte man wissen, dass es zwei Tonlinien gibt: erstens die Saal-Beschallung, also der Ton, den das Publikum hört und zweitens die Bühnen-Beschallung, der Monitor-Ton, der nur für die Bühne rausgeben wird. Bei größeren Produktionen, vor allem Musikproduktionen, wird jede Tonlinie von einem eigenen Techniker gemixt.
Bei Musikproduktionen ist der Monitor-Ton enorm wichtig. Gerade wenn du singst, solltest du die Gitarre oder das Keyboard schon hören können und nicht nur das Schlagzeug.
Wenn du aber Stand-up machst, würde ich mit dem Monitorsound sehr vorsichtig umgehen, denn wie ich schon häufig vermerkt habe, lebt Stand-Up stark von der Kommunikation mit dem Publikum. Je lauter der Monitorsound, umso weniger bekommt man die Reaktionen des Publikums mit.
Was ist dir wichtiger: Die Chance gut mit dem Publikum zu spielen oder sich an seiner eigenen Stimme zu berauschen?
Für mich gilt, nur soviel Monitorsound wie nötig und im Zweifel darauf verzichten.
Und es gibt noch zwei weitere Gründe für einen Soundcheck: Man sollte den Soundcheck immer mit einer kleinen Lichtprobe verbinden. Bei größeren Produktionen (Theater, Musical, Musik) ist die Lichtprobe meistens eine gesonderte Probe, bei Comedy / Mixed Shows kann man sich hier schnell einen ersten Eindruck über die Raum und die Lichtsituation verschaffen.
Und dasselbe gilt für die Auf- und Abgangssituation und checkt bitte immer, ob man Backstage auch die Ansagen hört. Ich habe es schon erlebt, dass Künstler nicht auf die Bühne kamen, weil sie ihre Ansage nicht verstanden hatten. Dieses Erlebnis war ähnlich interessant wie die Show mit dem schwerhörigen Tontechniker…


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