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Der Unterhaltungsmarkt (IV) – Die Zukunft liegt im Livegeschäft

KJ Deuser 20. Oktober 2008 5 Kommentare


Die Serie zum Unterhaltungsmarkt begann ja mit der Frage:
Kann man davon leben?
Genau genommen mit der Frage:
Kann man davon leben, auch wenn man kein TV-Star ist?
Die Antwort ist einfach:
Ja!

Und jetzt kommt die erstaunlichste Erkenntnis – sogar ohne den Einfluss der Medien. Nur ist es dann sehr harte und langwierige Arbeit. Das Gute an dieser Sichtweise ist, wenn Kunst nicht nur Talent und Glück ist, sondern auch Arbeit, dann kann man auch mit Nachdenken und Einsatz etwas an seiner Karriere verändern.

Es gibt in Deutschland eine große Chansonwelt, die in den Medien so gut wie nie stattfindet. Hier gibt es etliche Künstler, die es auf 60 bis 150 Auftritte im Jahr bringen. Nehmen wir mal einen Durchschnittswert von 95 Auftritten. Bei durchschnittlichen 90 Zuschauern, die im Schnitt 11 € bezahlen und man 65% vom Eintrittspreise bekommt, ergibt das dann 61132,50 €. Abzüglich 20% Agenturprovision und 25% Produktionskostenpauschale ergibt das zu versteuernde 36679,50 €.
Das ist mit Sicherheit noch nicht die Grundlage für ein finanziell sorgenfreies Leben, aber man kann davon leben. Doch wenn man schon einmal an diesen Punkt gekommen ist, dann gibt es viele Möglichkeiten seine Einnahmen weiter zu steigern.

Schon dieses einfache Rechenexempel beschreibt mehrere „Schrauben“ an denen man drehen kann. Möchte ich eine größere Auftrittsanzahl? Oder sollte man über höhere Eintrittspreise nachdenken oder bessere Deals mit den Theatern abschließen? Oder gibt es Bereiche wo ich meine Fähigkeiten noch anderweitig vermarkten kann?

Jeder Schritt zieht Konsequenzen nach sich, aber positiv gesehen bedeutet es, dass man Möglichkeiten der Einflussnahme hat.

Mehr Auftritte heißt in der Regel mehr Akquise, bessere Agentur, teureres Info-Material. Bessere Deals können schnell auf Kosten der Anzahl der Auftritte gehen, aber möglicherweise erhält man so mehr Zeit für andere Projekte.

Sobald aber die Medien ins Spiel kommen, sieht es mit den Verdienstmöglichkeiten ganz anderes aus. Daher sollte man die Medien, insbesondere das Fernsehen nicht nur aus dem Aspekt hoher Gagen betrachten (soviel zahlen Sender gar nicht). Sondern vielmehr als PR-Turbo. Eine einmalige Zahlung von 500-5000 € sieht zwar verlockend aus, aber die mögliche Steigerung der Zuschauerzahlen ist letztendlich viel lukrativer.
Live-Touren mit 30-120 Auftritten vor 700-2000 Zuschauern sind in Deutschland keine Besonderheit mehr. Alleine in Deutschland gibt es im Bereich Kabarett und Comedy-Bereich incl. der regionalen Stars 20-35 Künstler, die dieses Ziel erreichen.
Wenn bei 50 Auftritten vor 900 Zuschauern 12 € beim Künstler übrig bleiben, sind das schon 540.000 €. Und schon versteht man, dass das Fernsehen gar nicht mehr so wichtig ist. Denn diese Einnahmen sind im Fernsehen für einen solchen Zeitraum fast unmöglich.

Nicht zuletzt die Erfolge von Mario Barth haben den Live-Bereich in den Fokus vieler Fernsehschaffenden gebracht. Bei der Entwicklung von Fernsehformaten fragt man sich nun immer häufiger, ob man dieses Projekt nicht auch live weitervermarkten kann? Mit Sicherheit werden wir in Zukunft immer häufiger Fernsehshows auch live on Tour erleben.

Aber im Moment noch ist die Abfolge, zuerst ein Live-Produkt zu schaffen, wie zum Beispiel das Solo-Programm eines Künstlers. Dieses wird aufgezeichnet, im TV ausgestrahlt und danach geht man noch einmal mit diesem Programm vor einem viel größeren Publikum auf Tour.
Daher kann man nur raten den Live-Bereich nie zu vernachlässigen. Hier sind die größten Gewinnspannen möglich. Man kann aber auch mit guter und harter Arbeit, ohne den ganz großen Ruhm und die damit einhergehenden Gefahren, ein gutes und erfülltes Leben haben.
Aber leider muss man, entgegen der Hoffnung vieler junger aufstrebender Rockstars, auch als Künstler hart arbeiten.

Bild: Marcio Eugenio

5 Kommentare »

  • Johnny Hollywood schrieb:

    K.J.
    Du sprichst mir aus der/die/das Seele, schei.. drauf, “the soul”.
    Deine Worte tragen die Wahrheit.

    Obwohl jeder von uns davon träumt, der grosse Sprung ins Fernsehruhm zu schaffen, neue Künstler müssen es einfach akzeptieren, es wird keine TV-Produktionshubschrauber im Hinterhof landen um sie ins Medienrampenlicht zu befördern.

    Obwohl viele glauben das manche Stars wie Du, Mario Barth, John Doyle, Ausbilder Schmidt (und zahlreiche andere Namen die deine Nightwash Bühne betreten haben) es quazi “über Nacht” geschaft haben, sehen sie nicht die Jahre diziplinierte Arbeit und Auftritte die davor investiert wurden.

    In ein kurzem Gespräch mit Dieter Nuhr, sagte er mir, das ein Comedian etwa 5 bis 7 Jahre braucht sein wahres Comedy Persona und Botschaft zu finden, wenn er viel spielt. Und Recht hat er.

    Und es sind gerade die viele Live Auftritte die helfen, dieser “Persona” zu entwickeln und zu “reifen” damit es bei eine möglichst grosse Publikumsbereich ankommt.

    Viele Künstler erleben es dass was beim Heimatlichem Auftritt ankommt, nicht unbedingt in einer fremden Stadt bei andere Zuschauerkultur der grosse Lacher bringt.

    Also, wie du sagtest, hart an seiner Material arbeiten, möglichst viel Live Auftritte machen um seine Nummer top fit zu machen, und wenn der TV-PR-Maschine klopfen kommt, dann ist man wirklich in der Lage daraus mit einem Turboschub zu profitieren.

    Here’s to “Living from Laughing!”

    Cheers, Smiles and Laughs,
    Johnny

    # 20. Oktober 2008 um 13:25 Uhr
  • Canan H. schrieb:

    Das stimmt wohl, in jeder Branche der Kunst muss man genauso hart arbeiten wie überall sonst. Das trifft auf Autoren, darstellende Künstler und Schausteller in gleichem Maße zu.

    Ich denke nur bei Comedians wird deren Alltag allgemein in den Köpfen des Publikums gern ausgeblendet. Man möchte nicht wissen, dass dieser achso lustige Typ auf der Bühne vielleicht abends auch nur vor ner TK-Pizza sitzt weil er eben noch nicht weit genug die Karriereleiter hoch geklettert ist, um davon täglich auswärts essen gehen zu können.

    Herr Deuser, ich muss sagen ich finde Ihr Blog klasse. Sie verbreiten nicht die Illusionen, dass praktisch jeder ein erfolgreicher Bühnenstar werden kann. Das finde ich gut, das ist nötig.
    Als freie Schriftstellerin muss auch ich oft einem Vierzehnjährigen den Kopf zurecht rücken, der meint ein nett geschriebener Aufsatz in der Schule genügt, um sich an fünfhundert Seiten Romanstoff zu setzen – einen Bestsellerhit zu landen und sofort Millionär zu sein – und das ist nicht immer leicht, Buh-Rufe sozusagen garantiert.

    Respekt für solch offene und sachliche Beiträge zum Thema!

    # 20. Oktober 2008 um 19:35 Uhr
  • KJ Deuser schrieb:

    Danke.
    1. fürs Lesen, denn so gern ich mir auch Gedanken über unser Geschäft mache, doch wenn es gar keiner liest, macht es einen ja auch nicht richtig glücklich. Irgendwie erinnert mich dieser Blog immer wieder an das Business: Durchhalten und ausprobieren.
    2. @ Johnny. Ihr Amis seid einfach lustiger. Ihr habt viel früher als wir verstanden, dass Comedy harte Arbeit ist, aber nie so aussehen sollte. Naja alle Amerikaner sind es doch nicht. Ein kleiner Bundesstaat eingegrenzt von Kanada und Russland wiedersteht dem Einfluss des Lustigsein. Ihr Häuptling Sarah ist zwar lustig, am zum Glück nur ohne es zu merken.
    3.@ Canan, ich kenn mich in der Welt der Schreiber zwar nur bedingt aus, aber die Erfahrungen, die aus Gesprächen gezogen haben, zeigt, dass der große Durchbruch selten die aller erste Arbeit war. (Manchmal beneide ich 14 Jährige um ihr Selbstbewußtsein………)(Naja nicht wirklich)

    # 20. Oktober 2008 um 20:13 Uhr
  • Canan H. schrieb:

    Neid gegenüber 14jährigen tut bei Ihnen ja nun auch wirklich nicht Not, nicht einmal des Selbstbewusstseins wegen, Herr Deuser ;)

    Zum Blog:

    Irgendwann kommt der große Bloggerdurchbruch, die Onlinewelt wird nur noch von Ihnen sprechen und unter fünfzig Kommentaren gilt ein Post dann schon als langweilig. Bis dahin: Weitermachen! Bitte!

    Wenn’s hilft würde ich auch bis zum ersten Post zurückblättern und jeden Beitrag per Twitter promoten. Wie gesagt, klasse Blog – der muss erhalten bleiben und weitergeführt werden auch wenn die Leserzahlen mal in den Keller sinken sollten! (Enthusiasmus ist Alles, auch von meiner Seite)

    # 21. Oktober 2008 um 22:05 Uhr
  • KJ Deuser (author) schrieb:

    Canan, das freut mich wirklich das dir mein Blog gefällt. Bis zu den 50 Kommentaren sind es wirklich noch ein Stück. Danke für die Lorbeeren – das motiviert weiterzumachen.
    Was Twitter betrifft wäre das natürlich ein großer Gefallen wenn du mich da etwas featuren würdest. Aber nur wenn es kein zu großer Aufwand ist.

    # 24. Oktober 2008 um 09:07 Uhr

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