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Ist Comedy eklig?

KJ Deuser 27. Oktober 2008 7 Kommentare


Immer zum „Deutschen Comedypreis“ liest man jede Menge Leitartikel und Interviews rund um das Thema Comedy mit einem häufig wiederkehrenden Grundtenor:
„Comedy ist doof!!!! Und falls man doch mal gelacht hat, dann tut es einem leid und eigentlich ist nur Loriot toll und vielleicht noch Stromberg.“
Möglicherweise übertreibe ich mit dieser Verallgemeinerung, ehrlich gesagt habe ich auf Spiegel-Online auch nur zwei Artikel gelesen und einer davon hat den „Deutschen Comedypreis“ beschrieben und es dem Leser vorbehalten, was er davon halten soll. Heinz Strunk „Fleisch ist mein Gemüse“ war es dann, der im Interview die Comedy platt gemacht. Heulsuse!
(Sorry Herr Strunk, ich meine natürlich Kevin Kuranyi)
Ich kann es nicht mehr hören.
„Deutsche Comedy ist nicht lustig. Immer dieselben Gesichter im Fernsehen. Alles ist blöd. Nur Loriot ist gut……“
Dann guckt euch den Mist doch nicht an! Man kann jeden Fernseher ausmachen und sich statt dessen ein gutes Buch holen oder sich mal live eine Show ansehen, denn es gibt so viele lustige Menschen in Deutschland. Statt immer auf den Schrott hinzuweisen, den es sicherlich gibt, sollte man vielleicht mal die Künstler fördern und bekannt machen, die im Fernsehen nicht stattfinden.

Und zu Loriot möchte ich sagen: Als Mythos ist er toll, aber ich bezweifel, ob man über viele seiner Sketche heute noch so lachen würde, wie wir es uns in unserem Kopf vorstellen. Viele seiner Sketche waren toll, doch mittlerweile leider auch alt. Wir leben nicht mehr in diesem Deutschland der 60ziger und 70ziger Jahre und darüber bin ich froh. Woher kommt dieses ständige Schwelgen in Erinnerungen? Vielleicht mit der langsam einsetzenden Adventszeit?
Schwierigkeiten habe ich auch mit dem nicht enden wollenden Mythos: Humor kommt aus einem melancholischen Geist. Bitte? Als ob die Marx Brothers, Monty Pythons, Bill Cosby, Otto, Seinfeld, Peter Frankenfeld, Lee Evans alles depressive Weicheier waren. Comedy hat die unterschiedlichsten Wurzeln und ein wenig Lebensfreude und Spaß kann nie schaden – zu mindestens verlängert es die allgemeine Lebenserwartung.
Was ist so schlecht daran Menschen zum Lachen zu bringen? Muss der Geist Goethes, Brechts, Heideggers aus jedem Satz quillen, nur damit wir es gut finden dürfen.
Mir ist es lieber, Leute machen einen Witz, als daß sie einen Hedgefond aufsetzen. Ist Comedy so doof, nur weil ein paar TV-Gesichter nerven? Natürlich nervt ein Oliver Pocher und auch viele andere (aber der besonders, und eigentlich auch der TV Harald Schmidt) – na und? Schaut sie euch nicht an, schreibt nicht über sie, das “ärgert sie doch am meisten”. (Offensichtlich habe ich mal wieder die Ärzte-CD meiner Tochter gehört…)
Jetzt ist es cool auf Mario Barth rumzuhacken: „Wie kann man sich den anschauen, ein Armutszeugnis für Deutschland.“ Nein, ein Armutszeugnis ist, dass wir neuen Leuten kaum eine Chance geben.

P.S.:
Und man kann über Mario Barth sagen was man will, aber er hat hart gearbeitet für diesen Erfolg und sein Timing muss man erst einmal haben.

7 Kommentare »

  • Canan H. schrieb:

    Der deutsche Comedypreis wurde dieses Jahr in jeder Art Medium schlecht geschrieben, als gäbe es nichts wichtigeres mehr auf der Welt und ja, jeder Hanswurst musste zeitgleich eine Meinung dazu haben.

    Mit Mario Barth verhält es sich zuerst einmal wie mit Tokio Hotel: Er verkauft tausende Karten pro Show aber angeblich schaut ihn sich niemand an. Heuchlerei, die Menschen wollen Mario Barth sehen, sonst wäre er nicht so erfolgreich wie er es ist. Seine Leistung muss man anerkennen aber ich gebe zu: Auch ich fand ihn nur in seiner Anfangsphase einigermaßen unterhaltsam. (Ich fand auch den Quatsch Comedy Club irgendwann lustig aber die Zeiten ändern sich)

    Muss man Mario Barth mit z.b. den Pythons vergleichen? Nein, das sollte man nicht, das sind zwei paar Schuhe. Das wäre als würde man Bastian Pastewka mit Hagen Rether oder “Neues aus der Anstalt” mit “Little Britain” auf eine Stufe stellen – Bitte nicht.

    Aber der ein oder andere Komiker sollte wirklich, vielleicht nur für ein paar Jahre, etwas anderes tun als sich ständig auf jede Preisverleihung zu quetschen – zum Beispiel Otto. Er war mal lustig aber das war Rowan Atkinson schließlich auch mal. Über die beiden konnte ich als Kind noch lachen, aber heute …

    # 27. Oktober 2008 um 17:50 Uhr
  • KJ schrieb:

    Hi Canan, da hast du vollkommen recht, nur wenn plötzlich so über Comedy abgezogen wird, schaffe ich es nicht mich dem auch noch anzuschließen. Natürlich Natürlich könnten einge schon mal eine längere Pause vertragen, aber Johann König war schwer witzig….

    # 27. Oktober 2008 um 19:37 Uhr
  • Steve Dix schrieb:

    Comedy ist immer eine Geschmacksache, auch ein Trendsache. Als ich Student war (leider nicht Germanistik oder Grammatik, aber ich bin nur ein blöder Engländer), “Cult” Komiker waren immer in Trend. Studenten haben, um cool zu sein, immer Seltsam, einzigartiger oder Obskur Comedians gesucht um die ersten zu sein falls sie entdeckt werden. Beliebter Comedians waren daher unbegehrt wegen ihrem Popülarität. Also:Trendsache.

    # 27. Oktober 2008 um 19:40 Uhr
  • Canan H. schrieb:

    Na, Johann König steht ja komplett ausser Frage! (Wobei ja jetzt der Spagat zwischen Otto und Johann ziemlich breit war) Man muss ja nun auch nicht alles automatisch schlecht finden weil es nicht die intelligenteste Art von Cabaret sondern einfach nur Unterhaltung ist.

    # 28. Oktober 2008 um 11:34 Uhr
  • Robbi Pawlik schrieb:

    Selbst Oliver Pocher hat seine Berechtigung. Auf ihm haben ja fast Alle bei der Comedy- Preisverleihung rumgehackt. Nach dem
    X-Ten Mal dachte ich mir: ‘Is ja gut jetzt! Et’ wird langweilig.’
    Klar hab ich schon Schlechtes von Pocher gesehen (bzw. gehört.
    Auch ein Phänomen in der Comedy-Branche: gute Auftritte sprechen sich ‘rum, aber Abschmierer auch. Und zwar doppelt so schnell!) Also: von Pocher hab’ ich schon klasse Sachen gesehen. Der Mann kann z.B. Tanzen wie ein Junger Gott.

    Sehr genial übrigens war bei der Preisverleihung die Laudatio
    von ‘Swich-Reloaded’-Ensemblemitglied Maximilian Giermann,
    der eine umjubelte Stefan-Raab-Parodie abgelegt hat. Groß.
    (kann man sehen auf myspass.de)

    # 30. Oktober 2008 um 14:59 Uhr
  • Freizulassende Comedians | Deuser or Die schrieb:

    [...] nehmend auf meinen Artikel vom 27.10.2008 folgt hier nun die Liste, der Komiker, deren Freigabe für das Fernsehen ich als legaler [...]

    # 31. Oktober 2008 um 09:26 Uhr
  • Hauke schrieb:

    Ich bin vor kurzem vom Dorf nach Berlin gezogen und war vorher der Meinung das deutsche Stand up total schlecht ist. Bin ein riesen fan von englisch sprachigen Comics. Aber was im Fernsehen kommt. Furchtbar. Jetzt gehe ich aber immer in den Kookaburra club zur open stage. Klar gibts da dann n paar nieten…aber auch viele leute die witzige sachen machen. Vor allem ach Leute die keine Rolle spielen. Klar noch nicht auf dem Nivau von Jimmy Carr oder Mitch Fatel. Aber schon sehr viel besser als Oliver Pocher oder was es sonst noch so an “Stars” gibt! Das einziege was ich immer anrechne: ich glaube es ist sehr schwer für massenmedien zu arbeiten. Daher mein respekt. Mario Barth finde ich nicht lustig. Aber GRO?EN respekt. 70.000 ist schon krass!

    # 1. November 2008 um 16:01 Uhr

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