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Der Unterhaltungsmarkt (V) – Industriejobs

KJ Deuser 3. November 2008 2 Kommentare

Industrie
Der Künstler als Dienstleister
„Industriejobs“ – der Begriff kann sicherlich falsch verstanden werden, aber bisher habe ich noch keinen besseren gefunden. Viele Kollegen reden oft von „Galajobs“, was es aber meiner Meinung nach nicht so gut trifft, da diese nicht den Bereich der „Werbe- und Testimonialjobs“ mit einschließen. Industrie-Jobs können ein siebzigster Geburtstag sein, die Jahresauftaktveranstaltung eines Unternehmens, eine Außendiensttagung, eine Motivationsveranstaltung, eine Weihnachtsfeier, eine Roadshow oder sonstige Werbekampagnen für ein Produkt oder ein Unternehmen, sei es live, im TV, als Radiospots oder im Internet.
Letztendlich wird der Künstler bei diesen Jobs zum Dienstleister. Seine Person oder seine Fähigkeiten werden eingesetzt um eine Idee, ein Produkt oder einen anderen Menschen in ein, von den ihn engagierenden Personen oder Unternehmen geplantes, „Licht“ zu setzen.
Die Liste der möglichen Jobs ist endlos lang, doch alle Jobs haben eins gemeinsam: Es geht letztendlich nicht um dich als Künstler/in oder dein Produkt oder deine Show. Du als Künstler oder Künstlerin wirst gezielt eingesetzt und dafür erhältst du ein Honorar.

Genaugenommen wären dann auch Schauspielengagements Industriejobs, denn auch dort wird man engagiert und ist in der Regel weisungsgebunden. Das heißt der Produzent oder Regisseur sagt dir, was du zu machen hast. Um dies auszuschließen, möchte ich dieser Definition noch einen Zusatz hinzufügen: Industriejobs sind nicht öffentliche oder freizugängliche Shows oder Events.

Ich habe viele Künstler getroffen, die mir gesagt haben, dass sie grundsätzlich keinen Bock auf Galas haben, sie investieren ihre Energie lieber in ihre eigenen Auftritte. Dort verdienen sie vielleicht nicht soviel, aber Galas stressen sie viel zu viel. Andere schrauben ihre Gage so hoch, dass sie so gut wie nie ein Engagement erhalten und wenn doch, dann ist die Gage so hoch, dass sie den Stress dafür in Kauf nehmen. Alles klare Entscheidungsgrundlagen. Problematischer wird es, wenn ich wieder einen Künstler jammern höre: „Ich mache das nur wegen des Geldes.“ (Wow, wegen des Geldes – ein Künstler mit Abi!)
Ich frage mich dann immer: Wo ist das Problem? Klar macht er es wegen dem Geld (sorry!). Die wenigsten treten gerne als überlebensgroße Himbeere bei einer Produktpräsentation auf. Aber wenn ich das Geld doch brauche, dann sollte ich doch dankbar sein für so einen Job und mir so wenig Stress wie möglich machen. Und wenn ich das Geld nicht brauche, dann muss ich den Job doch nicht annehmen? Es gibt kein Gesetz in Deutschland, das einen zwingt, jede Gala oder jeden Werbevertrag anzunehmen.

In den 80er Jahren war es grundsätzlich politisch nicht korrekt solche Jobs anzunehmen. Ehrlich gesagt war mir diese Grundsatzablehnung nie klar. Warum? Aus künstlerischen Gründen oder aus einer politischen Haltung heraus? Als persönliche Einstellung ist das im Einzelfall für mich natürlich nachvollziehbar, nicht aber als grundsätzliche Haltung.
In den 90er Jahren ist es dann komplett umgeschlagen. Plötzlich hat jeder für jeden gearbeitet. Noch gefährlicher!
Noch heute gibt es Jobs, die ich nicht annehme oder Unternehmen für die ich nicht arbeite, aber das beurteile ich im Einzelfall. Grundsätzlich halte ich Industriejobs jedoch für vollkommen legitim. Ohne Auftragsarbeiten hätte es kaum einen der „Alten Meister“ gegeben.
Jedoch verstehe ich auch Künstler, die sich mit diesen Jobs schwer tun. In den seltensten Fällen lernst du in der Schauspielschule oder an Kunsthochschule oder im Autoren-Workshop wie du dich mit dem verantwortlichen Marketingleiter eines Unternehmens oder der Projektleiterin einer Eventagentur auseinandersetzt. Deshalb hilft es sicherlich, wenn man die Probleme, und Herausforderungen solcher Jobs versteht.
Meine wichtigste Regel lautet: Wenn du es nicht willst, dann mach es nicht. Wenn du es aber machst, dann mache es richtig. Das ist ähnlich wie mit Gags. Machen oder sein lassen.
Um ehrlich zu sein, habe ich fast 10 Jahre gebraucht, um diese Einstellung zu bekommen. Mittlerweile freue ich mich sogar auf solche Jobs. Du hast fast immer ein gutes Hotel, die Technik stimmt und manchmal hört sogar jemand zu. Weitere Tipps bzw. Erfahrungen folgen nächste Woche.

2 Kommentare »

  • Der Unterhaltungsmarkt (VI) - „Industriejobs“- allgemeine Tipps | Deuser or Die schrieb:

    [...] eine wichtige Einnahmequelle für Künstler sein. An dieser Stelle möchte ich, für alle die sich für diesen Bereich interessieren, ein paar Tipps [...]

    # 10. November 2008 um 09:35 Uhr
  • Deuser or Die » TV - warum gibt es (manchmal) doch neue Gesichter? schrieb:

    [...] Job hat, muss man durchhalten. Das Geld kommt irgendwann von alleine und sei es durch Live- oder Industrieauftritte. Und den „Halbbekannten“ sei gesagt, im Prinzip gilt für sie dasselbe wie für die neuen [...]

    # 27. Januar 2009 um 10:41 Uhr

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