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Der Unterhaltungsmarkt (VI) – „Industriejobs“- allgemeine Tipps

KJ Deuser 10. November 2008 4 Kommentare


Industriejobs können innerhalb des „magischen Dreiecks“ eine wichtige Einnahmequelle für Künstler sein. An dieser Stelle möchte ich für alle, die sich für diesen Bereich interessieren, ein paar Tipps weitergeben.

  1. Vergleich: Industriejobs und normalen Auftritten
  2. Bekanntheit ist nicht alles
  3. Nachhaltigkeit – an zukünftige Jobs denken
  4. Flexibilität


Sind „Industriejobs“ anderes als normale Auftritte?
Ja, letztendlich verspricht sich jemand etwas von diesen Auftritten, was über den üblichen Unterhaltungsanspruch „ein netter Abend“ hinausgeht. Dank deiner Hilfe will man mehr Autos verkaufen oder seine Mitarbeiter motivieren, damit die mehr Autos verkaufen oder eine Person wird geehrt, damit die dann besser drauf ist und den Mitarbeitern höhere Gehälter zahlt, damit die sich größere Autos kaufen können (Man glaubt gar nicht, wie viel in unserer Volkswirtschaft am Auto hängt).

Weil du etwas hast, was andere nicht haben (Bekanntheit, Aussehen oder Fähigkeit) sind Unternehmen bereit für diese Auftritte mehr Geld als deine üblichen Show-Gagen zu zahlen. Doch mehr Gage bedeutet in der Regel auch eine andere Verantwortung und Vereinnahmung deiner Person. Das gilt vor allem, wenn du diese Engagements häufiger haben möchtest.
Eine grundlegende Erkenntnis, die ich gemacht habe, lautet: Nur absolute A-Promis können machen, was sie wollen. Sie werden alleine wegen ihrer Bekanntheit engagiert, um so das Image der Veranstaltung oder der des Unternehmens aufzuwerten. Einmal eingeplant sind sie unverzichtbar. Alle anderen Künstler sind ersetzbar. Wie leicht oder schwer du ersetzbar bist, gibt dir schon einmal ein Gefühl für deinen Marktwert.

Doch „Bekanntheit“ ist nicht der einzige Faktor für deine Verpflichtung.
„Besondere Fähigkeiten“ ist ebenfalls ein wichtiger Entscheidungsfaktor. Moderatoren/-innen gibt es viele, aber nicht alle kennen sich mit Wirtschafts- oder Marketingthemen aus.
Ein fast immer unterschätzter Entscheidungsfaktor ist die „Pflegeleichtigkeit“ eines Künstlers.

Beispiel:
Industrie-Events finden häufig in Locations statt, die nicht über die übliche Theaterinfrastruktur verfügen. Oft fehlen normale Garderoben oder es sind nur irgendwelche notdürftig eingerichtete Abstellkammern oder die Toiletten sind weiter weg als üblich oder….. Man sollte diese Probleme ganz schnell akzeptieren. Niemand baut die Toilette mit Absicht 300m weit weg, doch wenn ein Künstler sich neben seinem künstlerischen Problemen auch noch sieben Mal wegen eben dieser Toilette beim Auftraggeber beschwert, wird es kritisch. Bei solchen Events sind die Nerven aller Verantwortlichen immer extrem angespannt.

Nachhaltig arbeiten
Das heißt natürlich nicht, dass man sich alles gefallen lassen muss, aber man sollte sich immer über die Konsequenzen seiner Wünsche und Handlungen Gedanken machen. Und wenn dir die Garderobe wichtiger ist als ein Nachfolgeauftrag, dann musst du halt weiternerven und irgendwann bekommst du einen bessern Raum (dann sind die nämlich froh, dich nicht mehr hören zu müssen!)

Flexibel arbeiten
Es hilft immer, sich auch mal in die Probleme der Verantwortlichen hinzudenken. Die Wenigsten ärgern die Künstler mit Absicht. Da es sich bei vielen Industrie-Events um einmalige Veranstaltungen handelt, sind es oft Blindflüge in unbekannte Welten. Und wenn plötzlich die Stromversorgung der ganzen Veranstaltung in Frage gestellt wird, steht deine Frage, ob du von rechst oder links auf die Bühne kommst oder ob es neben dem üblichen Kaffee auch irgendwo einen Espresso gibt, ziemlich unten auf der Prioritätsliste.

Weitere Anmerkungen folgen nächste Woche.

[Bild: CC, HopFrog @Flickr]

4 Kommentare »

  • Frank schrieb:

    Hallo KJ,

    toller Blog und insbesonders die Dreiecks Anmerkungen finde ich sehr gelungen. Ich kann dem nur zustimmen. Zum einen aus meiner Erfahrung als Künstler vor einigen Jahren, der viel Industriejobs gemacht hat und meistens auch gerne. Zum anderen als derjeniger, der auf Industrie- und Agenturseite gewechselt hat.
    Als derjenige, der den Künstler engagiert ist es uns schon sehr oft bewusst, dass wir eine Gradwanderung haben. Auf der einen Seite wollen wir die künstlerische Leistung und das volle Potential haben / abrufen, aber auf der anderen Seite gibt es viele Zwänge: sekundengenauer Ablaufplan, viel “politisches Hick Hack”, der beschriebene Blindflug und 1000 Sonderwünsche des Veranstalters in letzter Minute.
    Und da wünscht man sich als verantwortlicher Producer einfach auch sehr oft “funktionierende” Künstler.
    Ich habe in den letzten Jahren dabei auch immer wieder beobachtet, dass die echten Profis (unter den Künstlern) das am Ende auch wissen und gut einschätzen können.
    Einige Künstler (eher die Nicht-Profis) pokern manchmal in den Anforderungen zu hoch (Gage, Espresso, Hotel, etc.) und sind dann oft dem Druck (der ja auch da ist) nicht gewachsen.
    Es ist eben nicht jedermans Geschmack seine Pointen vor 350 betrunkenen Versicherungs-Vertrieblern sterben zu sehen ;o)

    Daher kann ich Deinen Rat nur voll unterschreiben: Machen oder lassen. Wenn man die Rahmenbedingungen eines Events / Industriejobs (ja es ist am Ende einfach Arbeit) nacht akzeptiert am besten sogar schätzen kann, bitte lieber lassen.
    Und oft lernt man viele nette Leute kennen.

    Gruss Frank

    # 10. November 2008 um 22:44 Uhr
  • KJ Deuser schrieb:

    …und der Sache mit den netten Leute kann ich nur zustimmen. (ich habe da sogar meine Frau kennengelernt.) KJ

    # 14. November 2008 um 17:41 Uhr
  • Robbi Pawlik schrieb:

    Hallo Frank,
    ich erinnere mich noch gut an einen gemeinsamen Showkellnerjob vor ca. 10 Jahren im Bonner Maritim vor
    400 betrunkenen Versicherungs-Außendienstlern.
    Dein Kommentar: ‘Die sind doch alle betrunken!’
    Ich sagte: ‘Na und?! Hauptsache, Du bist lustig.’
    Gruß Pawlik

    # 17. November 2008 um 00:42 Uhr
  • Der Unterhaltungsmarkt (IX) - Radio | Deuser or Die schrieb:

    [...] Radiomoderatoren kennengelernt, die sich beschweren, warum immer nur „Fernsehgesichter“ für Industriejobs angefragt werden, wo sie doch viel besser und bekannter wären. Und sie haben oft recht. Viele [...]

    # 8. Dezember 2008 um 09:20 Uhr

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