Stand-Up A-Z: H wie Haltung

Eine der am häufigsten verwendeten Vokabeln im Comedygeschäft ist “Haltung”. Als Haltung bezeichnet man umgangssprachlich die Einstellung, Gesinnung oder Grundhaltung eines Menschen. Jon Stewart von der Daily Show hat sie, Harald Schmidt hatte sie und vielen Comedians wird nachgesagt, dass sie nie eine hatten.
Quatsch, jeder hat eine Haltung, die Frage ist nur, ist sie dem Künstler/in selber klar, glaubt man ihm, wofür er auf der Bühne steht (Glaubwürdigkeit) und hat diese Einstellung irgendeine Relevanz für seine Performance?
Haltung hat viel mit der Motivation zutun, warum man auf der Bühne steht und was man mit seinen Auftritten bewirken möchte. Warum will man Menschen zum Lachen bringen? Macht man es gerne oder sieht man darin eine Möglichkeit schnell Geld zu verdienen oder möchte man auf möglichst vielen Gästelisten stehen oder hat man eine tiefere Message, die man rüber bringen möchte?
Es gibt genügend Menschen, denen glaube ich sofort, wenn sie sagen: „Geld ist alles.“
Eine klare und einfache zu vermittelnde Haltung, aber bringt einen diese Haltung als Comedian weiter? Sagen wir es diplomatisch: nur kurzfristig, nämlich solange man glaubt, es wäre ironisch gemeint.
Also, welche Haltung brauche ich auf der Bühne? Ich glaube dafür gibt es keine allgemein gültige Antwort. Aber die Haltung muss zu den Gags, die man performt passen. Wer ist man auf der Bühne? Ist die Bühnenfigur 100% deckungsgleich mit einem selber? Ist es ein eigener Bühnencharakter? Was macht diese Figur so besonders, was glauben die Zuschauer, für was diese Figur steht? Wenn einem das klar ist, sollte man seine Nummern regelmäßig auf den Prüfstand stellen und checken, ob die Gags / Nummern dieser Haltung entsprechen. Irgendwann verselbstständigt sich diese Haltung und man schreibt und spielt automatisch in dieser Haltung. Aber das kann Jahre dauern.
Gerade in der Anfangszeit traut man sich nicht, über das zu reden, was einem wirklich wichtig ist. Vielleicht aus Angst sich zu blamieren oder weil man glaubt, dass es niemanden interessiert. Doch! Sonst würde man ja nicht sooft über die Haltung reden.
Aber man braucht jede Menge Mut und die richtige Mischung. Mut seine Meinung zu sagen, aber auch Mut auszuhalten, dass das nicht sofort lustig ist. Denn zu viel von „offensichtlicher Haltung“ kann ganz schnell kitschig werden. Nur erhobener Zeigefinger und Selbstentblößung ist selten wirklich lustig. Doch nur cooles Abspielen seiner Gags nimmt die Lebendigkeit und Uniqueness der Performance.
So wichtig die Haltung ist, sie ist letztendlich ein Instrument, dass man bestmöglich einsetzen muss, um die Zuschauer so zu unterhalten, wie man es sich immer gewünscht hat.


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