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Stand-Up A-Z: G wie Gage

KJ Deuser 21. Januar 2009 kein Kommentar


Eines der heikelsten und kontrovers diskutiertesten Themen im Bereich Comedy ist (wie sicherlich überall) das Thema Gage.
Wie viel bin ich wert? Wer oder was bestimmt meinen Marktwert?
Eigentlich gar kein so schwieriges Thema. Man biete dir was an und du nimmst es an oder auch nicht.
Andersrum: Du stellst eine Forderung und auf die geht man ein oder nicht. Tja, wenn es doch so einfach wäre. Irgendwann bekommst du dich immer mit irgendjemandem über das Geld in die Haare. Und je nachdem von welchem Blickpunkt man solche Diskussionen betrachtet, haben alle recht. Ich bin mit Sicherheit kein geiziger Mensch und zahle lieber höher Gagen als niedrige. Aber selbst ich höre immer mal wieder: „Ich oder ihr von NightWash nehmt die Künstler aus.“
Was war ich sauer, als ich das gehört habe. Aber mittlerweile denke ich mir: „Ja, man zahlt immer zu wenig Gage. Jeder Künstler glaubt immer, dass er mehr wert ist.“ Ehrlich gesagt denke ich oft auch so.
Aber wie setzte ich meine Gage an?
Nun bei vielen Projekten stellt sich die Frage gar nicht, denn bei Mixed-Shows wie NightWash, QCC oder sonstigen Comedyshows werden Gagen angeboten und die nimmt man an oder man lässt es sein. Bei großen bestehenden Mixed-Shows geht es ja auch nicht NUR um die Gage, sondern auch um die Chance in neuen Städten vor einem großen Publikum zu spielen und dadurch weitere Engagements zu bekommen (z. B. die passenden Fernsehauftritte).
Bei unbekannten Mixed-Shows sollte man sich fragen: lohnt es sich für mich, habe ich einen Zusatznutzen und ist die Gage halbwegs fair? Wenn man ein bisschen rechnen kann, bekommt schnell raus, ob man übers Ohr gezogen wird oder nicht. Wenn dir nur Promo versprochen wird, du keine Gage bekommst und der Veranstalter bei 300 Zuschauern 15 € Eintritt nimmt, dann stimmt etwas nicht.
Aber, es gibt immer ein aber. In der Anfangszeit würde ich auch mal den ein oder anderen „unfairen“ Job annehmen, denn ohne Auftritte kommst du nicht in dieses Geschäft rein.
Gagen bei Mixed-Shows liegen zwischen 50 € und 400 €. Wobei alles über 150 € sehr gut ist.
Wenn du dann dein Soloprogramm spielst, sieht die Sache schon anderes aus.
Kurz ein Überblick: Es gibt Fest-Gagen, die werden häufig von Städten oder Firmen gezahlt. Dann gibt es die prozentuale Beteiligung. Der Künstler bekommt 70-50% der Einnahmen. Früher waren 70% normal, jetzt gibt es die nicht mehr so häufig und die letzte Variante: Man organisiert den kompletten Auftritt selber, addiert die Kosten und zieht diese von den Einnahmen ab. Lohnt sich in der Regel ab Auftritten mit über 500 Zuschauern.
Bei Fernsehengagements kommt langsam dein „Marktwert“ zum Tragen. Richtig spannend wird es mit deinem Marktwert jedoch erst, wenn du in der Spitzenliga spielst. Normalerweise werden dir Festgagen angeboten, die nur geringfügig zu verhandeln sind. Die meiste Verhandlungszeit geht auf die „Rechte-Diskussion“ drauf. Wie oft darf die Sendung wiederholt werden, darf man deinen Auftritt kürzen oder für andere Sendungen benutzen? Ein sehr großes und schwieriges Thema. Bist du ein Headliner oder sogar der Aufhänger der Sendung, kann man ernsthaft über die Höhe diskutieren. Hier gehen Gagen von 5000€ bis 50.000€ pro Sendung. Jerry Seinfeld hat angeblich 1 Mio. $ pro Sitcom bekommen.
Als Letztes gibt es den Bereich der Industriejobs. In diesem Bereich werden fast ausschließlich Fest-Gagen gezahlt, das heißt, hier wird am meisten gepokert. Die jüngere Vergangenheit hat mir gezeigt, dass es in diesem Bereich mittlerweile auch mit gewissen Eckdaten gearbeitet wird. Bist du ein unbekannter Künstler, der für eine Firmenfeier eingeladen wird, sind Gagen zwischen 500€ und 1500€ üblich. Alle Gagen darüber bedürfen eines gewissen Bekanntheitsgrades des Künstlers. Gagen zwischen 2500€ und 5000€ sind dann keine Seltenheit, aber die richtigen hohen Gagen gibt es nur für einen VIP-Status und dann gehen die Gagen bei Stars wie Jauch, Kerner, Mittermeier, Barth und Gottschalk bis zu 100.000€ pro Abend.
Viele Stars stellen enorm hohe Forderungen, weil sie eigentlich keine Lust auf solche Auftritte haben und beschränken sich damit selber.
Und selbst die VIPs denken bestimmt des Öfteren: „Die haben mich übers Ohr gehauen …“

Foto: Jeff Belmonte (CC)

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