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TV – warum gibt es (manchmal) doch neue Gesichter?

KJ Deuser 26. Januar 2009 kein Kommentar


Immer wieder hört man ähnliche Aussagen. Im Fernsehen treten doch immer nur dieselben bekannten Nasen auf (Nun bei Mike Krüger und Gottschalk stimmt sogar der Begriff).
Und doch gibt es ja immer mal wieder Überraschungen. Plötzlich taucht ein Mario Barth auf oder eine Cindy (auch wenn sie jetzt schon wieder zum Inventar gehören).
Sind sie wirklich nur Zufallsprodukte?
Das glaube ich nicht. Fernseh-Producer und Entscheider haben in der Regel zwei Seelen in ihrer Brust schlagen. Zum Ersten wollen sie erfolgreich sein. Das heißt, sie greifen das auf, was Erfolg garantiert oder schon in anderen Bereichen erfolgreich ist.
Daraus kann man die erste Chance für „neue Gesichter“ ableiten: Nicht nur aufs Fernsehen schielen, sondern versuchen sich durch Live-, Radio-, Webproduktionen so interessant zu machen, dass man immer wieder auffällt, solange bis die Entscheider das Gefühl haben man steht für „Erfolg“ und „gehört dazu“. Ich finde, dass z. B. Jan Böhmermann diese Strategie momentan sehr beachtlich und konsequent durchzieht.

Die zweite Seele steht für die künstlerische Seite eines Producers. Jeder Produzent möchte natürlich auch Dinge und Künstler als Erster präsentieren und damit beweisen, dass er oder sie mehr ist als nur ein Abwickler. Man ist Entdecker, mit einem untrüglichen Gespür für neuste Trends. Und ich bin froh, dass es diese Seite gibt, denn sonst würden es nie neue Gesichter auf den Schirm schaffen.
Aber man sollte sich als Künstler, der in einer solchen Gunst steht, klar machen, dass dieses Zeitfenster eine begrenzte Lebensdauer hat. Denn irgendwann ist man überall rumgereicht und vorgestellt worden, und verliert ohne, dass man wirklich die Chance für eine Produktion bekommen hat, schon wieder den Bonus des Neuen. Und dann ist man das Schlimmste für alle TV-Entscheider: “halbbekannt”. Man kennt dich, aber dein Name steht nicht für den sofortigen Erfolg.
Leider habe ich es viel zu häufig mitbekommen, wie dieses Zeitfenster leichtsinnig verschenkt worden ist. So wichtig Agenten für Künstler sind, in dieser Phase machen sie die meisten Fehler. Agenturen sehen sich häufig als Beschützer der Künstler, die ihnen helfen die Karriere zu lenken. Aber man kann eine Karriere nur lenken, wenn sie auch da ist. Für diese Phase gibt es keinen besseren Spruch wie: „Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist.“
Natürlich kann man mit längeren Verhandlungen mehr Geld herausschlagen, aber man kann auch den Job erst gar nicht bekommen und in der Anfangszeit ist es wichtiger überhaupt ins Fernsehen zu kommen als den optimalen Vertrag herauszuschlagen. Und selbst wenn man den Job hat, muss man durchhalten. Das Geld kommt irgendwann von alleine und sei es durch Live- oder Industrieauftritte.
Und den „Halbbekannten“ sei gesagt, im Prinzip gilt für sie dasselbe wie für die neuen Gesichter. Man sollte sich vom Fernsehen unabhängig machen. Seine Kraft in andere Medien stecken und sich dort einen Namen aufbauen. Jetzt braucht man eine richtig gute Agentur, die hartnäckig deinen Namen im Spiel hält. Und – abwarten, denn irgendwann sind alle Entscheider auf anderen Posten und vielleicht bist du plötzlich wieder ein „neues Gesicht“.

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