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Stand-Up A-Z: E wie Einspieler

KJ Deuser 4. Februar 2009 2 Kommentare

jingle

Einspieler?
“Was sind denn Einspieler?” wurde ich vor 15 Jahren bei einer Fernsehaufzeichnung in Frankfurt gefragt. „Naja, ich habe Musik auf einer Minidisc dabei und die müsste eingespielt werden.“ „Ach so“, wurde mir geantwortet, „du benötigst einen Zuspieler.“
Alte Fernsehleute konnten dir immer so nett zeigen, wo dein Platz ist, nämlich nicht hier. Egal, für mich sind und bleiben es Einspieler. Ich habe auch lange gebraucht, um die feinen Unterschiede zu verstehen. „Zuspieler“ steht für den Arbeitsvorgang des Technikers. Er spielt etwas zu einem Projekt hinzu. Es ist also Arbeit. Einspieler ist inhaltliche Betrachtungsweise. Etwas wird in die Show eingespielt. Sozusagen eingewoben. Ist der Unterschied klar? Nein? Ist auch egal.
Zurück zur wichtigen Frage: Braucht man Einspieler für eine Comedyshow? Wenn ja, wie lang sollten sie sein, wie produziert man sie, auf welchem Medium sollten sie mitgebracht werden? Was haben wir uns im Kollegenkreis schon über diese Frage die Köpfe zermartert.
Grundregel: Wer ohne Einspieler auskommen kann, sollte es auch sein lassen. Glaubt mir, Einspieler schaffen oft mehr Probleme als Vorteile.
Aber, vielleicht sollte man nicht so schnell urteilen, sondern sich erst einmal klar machen, was sind denn diese Einspieler? In der Regel bezeichnet man damit Musik-Playbacks oder Wortbeiträge auf CD, Minidisc, Harddrive oder Kassette (!), die der Künstler in seine Nummer einbaut, sei es um mit einer anderen Person in einen Dialog zu treten oder um Gedankengänge des Künstlers hörbar zu machen und, und, und. Einspieler können aber auch Videosequenzen, Diashows oder Livestreams sein.
Und genau genommen sind auch Jingles Einspieler. (Jingle = kurze Musiksequenzen für die Überbrückung von Umbauten, Auf- oder Abgängen.)
Beim Thema Jingles weiche ich meiner Regel selber oft aus. Jingles können einer Show Tempo geben und sind einfach einsetzbar. Aber auch hier gibt es schon eine große Palette an Herausforderungen. Was man sich zu Hause so wunderbar überlegt hat, muss live noch lange nicht funktionieren. Plötzlich sind die Einspieler zu leise oder viel zu lang und der Künstler (man selber) steht schon lange auf der Bühne und der Hammer-Effekt, den man sich vorgestellt hat, dreht sich ins Gegenteil um. Wenn Jingles, dann möglichst welche, die man faden (langsam ein- und ausblenden) kann oder man produziert sofort mehrere mit unterschiedlichen Längen. Doch nicht nur, dass man sie produzieren muss, die Einspieler muss auch jemand „zuspielen“. Sobald du mit Einspielern arbeitest, bist du abhängig von Technikern oder du nimmst deinen eigenen Techniker mit (Extrakosten) und du musst immer früher bei den Proben erscheinen, um deine Einsätze zu proben.
Was für Jingles gilt, gilt für „richtige“ Einspieler erst recht. Neben den oben aufgeführten kleinen Problemen gibt es jetzt nämlich noch einen weiteren Gefahrenpunkt: Timing! Wie lang ist der Einspieler, baust du Pausen ein, bekommst du den Einsatz auch in einem jubelnden Saal mit? 50 Zuschauer reagieren auch anders als 500. Es ist ganz schön kniffelig das richtige Timing auf einem Track für alle Eventualitäten hinzubekommen.
Natürlich gibt es Shows, die komplett auf Einspieler ausgelegt sind, dann ist man sowieso immer mit seinem eigenen Techniker unterwegs und einige Probleme sind gelöst. In manchen Fällen würde ich mir auch genau überlegen, ob es nicht vielleicht einfacher ist, mit einem Musiker auf Tour zu gehen. Meistens spielen sich die höheren Kosten durch die höhere Wertigkeit der Show wieder ein.
Falls man nur einen Einspieler hat, würde ich mir ebenfalls genau überlegen, ob er wirklich notwendig ist. Gerade Stand-Up lebt durch Simplizität und Natürlichkeit. Durch einen Einspieler bringt man oft eine neue Showebene mit ins Spiel, die an sich zwar nett ist, aber trotzdem den Gesamteindruck schwächen kann. Eine A Capella Band lebt auch davon, dass sie keine Instrumente benutzen. Aber sobald du ein Piano einsetzt und sei es nur für eine Nummer, hast du den Bonus des „instrumentelosen Singens“ verspielt.

Außerdem sind fast alle Einspieler zu lang, denn wenn man schon mal im Studio ist, dann nimmt man gerne eine Strophe zu viel auf. Aber das ist ein weiteres Thema: „Timing von Musikcomedy-Nummern.“

2 Kommentare »

  • Boernd schrieb:

    Ich habe letztens durch ein Computerspiel einen amerikanischen Comedian gefunden, der wohl recht erfolgreich zu sein scheint und dabei diese Nummer gefunden, die ebend auf Einspielern/Jingle aufgebaut ist. Ich denke ist nen gutes Beispiel, wie man sowas in eine Show auch durchaus mit Mehrwert einbauen kann.

    http://www.youtube.com/watch?v=mRmFEpl74sI

    # 5. Februar 2009 um 09:55 Uhr
  • KJ Deuser schrieb:

    …nicht schlecht. Aber du siehst welcher Aufwand und Technik dahinter steht. Konsequent eingesetzt sind Einspieler ein Gewinn. Nur wenn du so einmal nebenher deine Show aufpimpen willst … ist ganz häufig kontraproduktiv. KJ

    # 6. Februar 2009 um 11:12 Uhr

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