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Stand-Up A-Z: T wie Timing

KJ Deuser 18. Februar 2009 3 Kommentare

timing

Über kein Thema wird in Kollegenkreisen mehr gesprochen, über kein Thema werden mehr Insiderwitze gemacht als über das Thema Timing.

Zurecht, das richtige Timing ist einer der wirklich wichtigen Erfolgsfaktoren für eine gute Comedyperformance. Viele meinen sogar es ist der Erfolgsfaktor.

Dem kann ich mich in dieser Konsequenz nicht anschließen. Mut überhaupt aufzutreten, das Commitment gegenüber dem Job ist in meinen Augen noch wichtiger. Vor allem bei Liveacts. Was bringt dir das beste Timing, wenn du nicht raus gehst und spielst? Doch spätestens dann kommst du am Timing nicht mehr vorbei.
Bei der Frage, ob man Timing lernen kann, muss sogar ich ein wenig stutzen. Ich habe Künstler getroffen, die hatten von Anfang an einfach dieses besondere Gefühl wie man Pointen, Gags, Texte oder Gesten setzt. Die Glücklichen. Oft waren es Musiker oder Leute, die schon immer gut zuhören konnten oder in der Lage waren Menschen und Situationen gut zu manipulieren.

Für alle anderen heißt es: Spielen, Spielen, Spielen! Sich ständig beobachten und versuchen weiter an den Nummern zu feilen. Timing ist eine sehr intuitive Sache, weil man meistens auf vertraute Verhaltensmuster zurückgreift und dies zu verändern ist verständlicherweise sehr schwer.

Wie kann man sein Timing trotzdem verbessern?

  1. Man sollte versuchen seine Acts so oft aufzuzeichnen wie möglich. Schaut sie euch an und ihr seht sofort, wo es nicht stimmt.
  2. Versucht Nummern so oft wie möglich zu spielen. Erst wenn ihr Nummern 30 bis 40 mal spielt, habt ihr die Ruhe und Sicherheit an den Feinheiten zu arbeiten.
  3. Vertraut auf der Bühne nicht immer euerem Gefühl! Oft schleichen sich in der Anfangszeit eurer Karriere Fehler ein, die sich dann später zwar vertraut anfühlen, aber euch nicht helfen.
  4. Experimentiert mit unterschiedlichen Tempi, Betonungen und Lautstärken. Oft sind es Kleinigkeiten, die einen größeren Lacher ausmachen. Mut!
  5. Doch am wichtigsten sind Geduld und Ruhe. Vertraut euren Witzen und lasst den Gag mal ein paar Sekunden länger stehen, als es euch euer Gefühl vermittelt. Oft sind diese Sekunden die schwierigsten und effektivsten. Beobachtet mal gute Timer wie Mario Barth, Schmidt oder Nuhr. Gerade Nuhr wartet oft solange, bis die Leute anfangen zu lachen.
  6. Aber, jetzt kommt mein ABER: Jeden Gag stehen zu lassen, hilft nur bedingt. Denn gerade bei Liveacts sollte man beim Thema Timing auf zwei Dinge achten: das Timing des einzelnen Gags und das Timing der gesamt Performance. Du kannst jeden Gag für sich perfekt spielen, aber dadurch wird unter Umständen die Gesamtperformance langweilig. Manchmal muss man Gags opfern, gerade am Anfang eines Auftritts, um die Leute erst einmal zu bekommen. Manchmal musst du das Tempo anziehen, damit die Zuschauer sich nicht auf dein Timing eingrooven und plötzlich merken, wie du arbeitest. Je nachdem, ob du fünf Minuten oder dein Solo spielst, brauchst du ein anderes Timing.

Timing ist für mich die Mischung aus Zuhören, Ruhe, Beobachten, gutem Handwerkzeug und wie immer viel Mut. Ich glaube so ähnlich musst du dich als Jäger fühlen, wenn du auf die Jagd gehst.

Bild: Iscan (CC)

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3 Kommentare »

  • Meik schrieb:

    Hallo!

    Ich hoffe ich darf meine Frage hier hinein stellen.
    Es geht um das Timing bei Themenwechsel.
    Ich schreibe grade an meinem ersten 5Minutenprogramm und mir ist aufgefallen (auch schon bei anderen Künstlern), dass der Übergang manchmal sehr abgehackt klingt. Bei Profis die mit sicheren Lachern arbeiten ist es sicher einfacher. Doch wenn ich mir bei einer Poente unsicher bin, wie ändere ich geschickt das Themengebiet ohne das abrubt wirkt.
    Es klingt meiner meinung nach merkwürdig wenn man einen Satz abflachend beendet und dann wieder um Tempo zu bekommen ein neues Thema schnell gesprochen startet.

    Vielen Dank für die riesen Hilfe.

    Mit freundlichem Gruß
    Meik

    # 1. März 2009 um 04:37 Uhr
  • KJ Deuser schrieb:

    Klar kannst du Fragen stellen. Du kannst alles machen, die Frage ist natürlich WIE du wechselst. Der Trick ist der Übergang. Themen zu wechseln ist legitim. Nur sollten die Zuschauer nicht merken, dass du es machst, weil dir nichts anderes einfällt. Steh zu dem Wechsel!! Du machst es weil du es willst, nicht weil du es machen musst. Und wenn ein Gag nicht zündet, ist eine Möglichkeit die Situation zu retten, in dem zu sie kommentierst. “OK, das ist kein Thema für Euch, gut, dann kommen wir eben zum Schwarzfahren.” Das ist jetzt nur ein Beispiel, aber es hilft, wenn du die Zuschauer mit auf die Reise nimmst. Wenn sie verstehen, wie du von A nach B kommst, ist alles erlaubt. KJ

    # 1. März 2009 um 17:48 Uhr
  • Meik schrieb:

    Danke, dass hat mir wirklich geholfen.
    Leider bin ich momentan erkrankt, hoffe aber nächste Woche meinen kleinen Text fertig zu haben.
    Und dann kommt der nächste Schritt…

    Ich danke dir nochmals und wünsche dir alles Gute

    # 2. März 2009 um 22:39 Uhr

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