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NW Tour 2009 „Die zweite Woche – Winnenden“

KJ Deuser 17. März 2009 kein Kommentar

11.03.2009

Koblenz – es geht wieder los
Offiziell hatten wir zwei Off-Tage, inoffizielle sah das ganz anderes aus: Rekordwoche bei NightWash. Insgesamt 13 Clubs und Tourtermine in sieben Tagen. Das heißt am Montag und Dienstag musste jeder bei zusätzlichen Clubterminen ran.2009_karte

Heute, Mittwoch, ging es in Koblenz wieder mit der Tour los. Für Matthias Seling, der die erste Woche super funktioniert hat, stößt diese Woche Michael Krebs zur Tour hinzu. Die Bedingungen für den Tour-Start waren perfekt. Mit 270 Zuschauern war das Café Hahn restlos ausverkauft.

Problem war nur, dass ein Teil der Crew, Dave Davis, Michael Krebs und Thorsten von Wahlde (Tourmanager) aus Schleswig (ganz, ganz im Norden der Republik) kamen und bei Bremen in eine Autobahnvollsperrung fuhren. Vermutliche Ankunft 19:12 Uhr. Super, Einlass des Publikums ist um 19.00. Ich hatte mich ausnahmsweise auch erst für 19.00 angemeldet und so musste Markus Barth um 18.00 den Soundcheck alleine durchziehen, was gewisse Schwierigkeiten mit sich bringt, wenn du weder Gitarre spielen kannst, geschweige denn eine dabei hast.

Ich sprang um 17.50 in Köln ins Auto und bekam einen Anruf von meiner Mailbox: 16 neue Nachrichten.
Was ist los? Parallel liefen die 18.00 Uhr Nachrichten: Winnenden. Oh Gott, spinnen die den alle?!
Jetzt war mir auch klar, warum die Mailbox so voll war. Was machen? Telefonkonferenz mit allen Beteiligten. Keiner fühlt sich wohl, abbrechen? Da wir sowieso unterwegs waren, entschieden wir uns für Treffen in Koblenz und wollten dort eine gemeinsame Entscheidung treffen. Je mehr ich Radio hörte, um so schwerer wurde es für mich, mir vorzustellen gleich auf die Bühne zu gehen. Schwere Entscheidung. Eigentlich passiert jeden Tag soviel auf der Welt, dass man nie auftreten dürfte, was für mich aber ein Aufgeben vor dem Leben wäre. Nichtsdestotrotz gibt es Einzelfälle, die einen so traumatisieren, dass man einfach keine Witze erzählen kann.
19.06 Uhr in Koblenz angekommen und noch immer fehlten drei Künstler. Auch hier wurde natürlich über den Amoklauf diskutiert, aber die Zuschauer sind trotzdem alle gekommen. Mist, jetzt lag die Entscheidung bei uns. Bei „uns“ ist gut. Es fehlten ja immer noch drei Personen. Die kamen um 19.35 Uhr. Fieberhaft bauten wir hinter dem Bühnenvorhang den Rest der Bühne auf und diskutierten.
Warum machen wir eigentlich Comedy? Wir wollen Menschen unterhalten, was erst einmal nichts Schlechtes ist. Aber um ehrlich zu sein, geht es mir auch um mehr. Wir brauchen in Deutschland mehr Lockerheit, mehr Spaß, mehr Kommunikation und ein größeres Miteinander. Und gerade NightWash hat sich das Fördern neuer und junger Talente auf die Fahne geschrieben, was meiner Meinung nach extrem wichtig für eine Gesellschaft ist, die wirtschaftlich sehr erfolgreich ist, aber menschlich klare Schwachstellen aufweist. Lieber jemanden erzählt schlechte Witze, als das er Menschen verprügelt.

imgp2633Lagebesprechung 19:53

19.55 Uhr haben wir uns letztendlich fürs Spielen entschieden, aber ich habe den anderen mitgeteilt, dass ich dieses Ereignis trotzdem nicht unkommentiert lassen kann. Sofort wurden wir wieder alle unsicher, denn wenn ich nicht den richtigen Ton treffen würde, könnten wir die Show auch direkt sein lassen. Wenn du einmal ein Kloß im Hals hast, lachst du nicht mehr. Sagst du aber nichts, wird hinterher wieder in irgendeiner Pressekritik von flachen Comedians, ohne Feingefühl gesprochen.
Um 20.08 Uhr habe ich dann die Show mit nur acht Minuten Verspätung begonnen und irgendwie geschafft, die Botschaft so rüber zu bringen, dass ich sofort merkte, auch die Zuschauer waren froh, dass ich das Thema ansprach, denn ein klein wenig hatten auch sie ein schlechtes Gewissen, und trotzdem schaffte ich es die entsprechende Atmosphäre für eine gute Show herzustellen.
Und es war eine super Show. Das Bier danach hatten wir uns wirklich verdient. Wieder einmal wurde mir klar, nur weil man herzhaft lacht, ist man noch lange nicht unsensibel, aber die Kraft und die Lebensfreude, die Lachen einem mit auf dem Weg gibt, ist unbezahlbar.

12.03.09

Heidelberg, die Zweite
War der erste Auftritt schon gut, so war der Zweite fulminant. 250 tobende Zuschauer, was will man mehr? Michael Krebs war der Abräumer des Abends. Nur weil der Gitarre spielt, himmeln die Mädels ihn alle an. Angeber!

imgp2656Michael Krebs und die zwei Opas von der Muppet Show

Aber was Michael auf der Bühne war, war Dave im Backstagebereich. Daves private Pausenshow war der Knaller.

photo-daveDave gibt alles

Winnenden ist zwar immer noch das Thema, doch es ist erschreckend festzustellen, wie schnell man sich an solche Katastrophen gewöhnt. Ich habe das Thema in der Absage kurz angesprochen und ich spürte fast, dass es keiner hören wollte. In den Diskussionen danach merkte ich aber, dass dem nicht so war. Menschen können oft viel besser zwischen den Dramen und dem Spaß des Lebens unterscheiden, als man glaubt. Manchmal habe ich das Gefühl, wir Künstler tun uns mit solchen Situationen schwerer als die Zuschauer und wir unterstellen ihnen fehlende Sensibilität.

13.03.09

Off-Tag. Obwohl er schon nach nur zwei weiteren Tourterminen kam, hat sich jeder auf diesen Tag gefreut.

14.03.09

Ludwigsburg
Ludwigsburg liegt 13 km von Winnenden entfernt und du spürst, je näher du an den Ort einer Tragödie fährst, um so mehr wirst du in ihr Trauma eingesogen. Das war uns aber bei der Abfahrt gar nicht klar, viel mehr sind wir mit dem Gefühl losgefahren, langsam zurück zur Normalität zu kommen. – Denkst du.

Kurz vor Ludwigsburg rief mich ein guter Bekannter an und fragte, ob ich ihm noch acht Karten besorgen könnte, er hätte nämlich gehört, es wäre ausverkauft und er müsste mit paar Freunden dringend mal lachen, denn sie alle wohnen in Winnenden. Als ob das nicht reichte, erzählte er mir auch noch, dass Winnenden ja direkt bei Ludwigsburg liege, und berichtete mir von einem Bekannten, deren Kinder auf der Schule waren und alles mit erlebt hätten. So schnell ist mir noch nie der Spaß auf einen Auftritt vergangen. Als ich das ansprach, wurde er richtig aufgeregt und meinte wir sollten den Auftritt bloß nicht absagen, Frust und Trauer hätte sie schon mehr als genug. Trotzdem war auch ihm klar, auf welch dünnem Eis wir uns bewegten.
Also sind wir im Tourbus noch einmal all unsere Nummern durchgegangen. Wo könnten Assoziationen geweckt werden, welche Nummern sind unbedenklich, sage ich vorher was oder spielen wir so, als ob nicht vorgefallen wäre?

Wie in Koblenz sprach ich das Thema am Anfang der Show wieder kurz an. Diesmal spürte ich aber, wie es mir kurzfristig aus den Händen glitt. Die Sympathie war zwar hergestellt, aber keiner wollte lachen. Letztendlich hat es mich noch einmal fünf Minuten gekostet, bis die Stimmung so war, wie sie sein wollte und ich muss sagen, letztendlich war es einer der bisherigen Höhepunkte. 550 Zuschauer in einem Ort, in dem wir zuvor noch nie aufgetreten sind. Wieder ein Rekord und wir haben jetzt schon Nachfolge-Termine für Herbst und Frühling ausgemacht.

imgp2391

So sehen zufriedene Künstler aus!

Nach der Show war Winnenden weiterhin das Thema, aber alle haben sich bedankt für diese tolle Show und wie wichtig es für sie war zu lachen. Wow!
Danach musste ich erst mal was trinken gehen. Habe aber nicht mehr als zwei Bier geschafft.

15.03.09

Freiburg
Cinemax in der Freiburger Innenstadt. Kinos sind immer schwierig. Alex und ich sind auch nicht ganz sicher, ob wir Bühne und Sound so hinbekommen wie wir es uns wünschen.

walldorf

Walldorf und Staetler der deutschen Comedyszene.

Aber 270 begeisterte Zuschauer können sich nicht irren. Die Bühne sah richtig cool aus und auch die Stimmung unter den Künstlern war…, wie sagte man früher? Dufte!

imgp27121

Was man alles aus einem Kino machen kann.

imgp2718

Das Tanztheater NightWash auf dem Höhepunkt seines Schaffens.

16.03.09

Hiddenhausen
Wir sitzen mal wieder im Tourbus und ich schreibe am Tourtagebuch. Wenn das kein typischer Montagmorgen ist. Soeben hat uns die Agentur von Hans Hermann Thielke mitgeteilt, dass er krank sei und er für die Shows in Hiddenhausen und Wolfsburg ausfällt. Super. Statt Zeitung zu lesen, heißt es wieder: Telefonieren.
Der erste Künstler, den wir angerufen haben, hat auch sofort zugesagt. Leider hat er 15 min später wieder abgesagt, denn er könnte doch erst um 22:00 in Hiddenhausen sein. Schwierig, wenn die Show bis etwas 22:15 geht.
Naja wir haben ja noch 10 Stunden.

photoMein privates Tourbüro.

So, die Besetzungen für Hiddenhausen und Wolfsburg sind geklärt. Klaus Renzel springt für ihn ein. Perfekt, er bringt genau wie Hans-Hermann den etwas anderen Ton mit in die Show. Kann der Show nur helfen und ich versuche jetzt mal alle Fotos und Texte aus dem Tourbus ins Büro zu mailen. Das wird bestimmt wieder lustig!!!

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