Stand-Up A-Z: L wie Licht

Es werde Licht! – Hat so nicht die Menschheitsgeschichte begonnen?
Ohne Licht ist heutzutage keine Show mehr denkbar. Das war früher wahrscheinlich auch nicht anderes, zumindest habe ich nie von einer wirklich erfolgreichen Nacht-Veranstaltungen im Circus Maximus gehört.
Welches Licht brauche ich?
Wie merke ich, ob ich das richtige Licht habe?
Welche Effekte machen Sinn?
Will ich die Zuschauer sehen?
Muss ich sie sehen?
Aus dieser Einleitung kann der erfahrene Stand-Up A-Z Leser erkennen, dass für mich nicht nur das Bühnenlicht, sondern auch das Zuschauerlicht ein große Rolle spielt. Stand-Up Comedy ist für mich eine Form der Kommunikation mit dem Publikum und das funktioniert erheblich besser, wenn man es auch sehen kann. (Gilt für jede Art der Präsentation, bei der dem Zuschauer nicht nur etwas erzählt wird, sondern seine Reaktionen den weiteren Verlauf mitbestimmen.)
Doch zuvor eine kurze Zusammenfassung zum Thema Bühnenlicht.
Erste Aufgabe des Lichtes ist es, dafür zu sorgen, dass man überhaupt gesehen wird. Alle weiteren Effekte tragen dazu bei Räume, Illusionen und letztendlich Emotionen zu erzeugen. Im Fotobereich und Filmbereich wird stundenlang am Licht gearbeitet. Geduld und ein gutes Buch sind oft das Einzige, was dagegen hilft. Auf der Bühne sieht das meistens anderes aus. Erstens sind die Möglichkeiten begrenzt und das Licht ist in der Regel fest installiert und daher nur bedingt veränderbar.
Ein paar Schlagwörter:
- Vorderlicht: In der Regel weißes Licht, das hilft den Bühnenbereich auszuleuchten. Komplette Ausleuchtung der Bühne oder nur gewisse Bereiche. Je höher die Lampen hängen, umso besser kann man Zuschauerbereich sehen, gleichzeitig werden aber die Gesichtsschatten größer.
- Der Follower oder Verfolger kann einen, wie der Name sagt, überall verfolgen. Erzeugt auf kleinen Bühnen durch seinen kreisrunden scharfen Lichtschatten auf dem Hintergrund schnell eine Varieté-Anmutung.
Vorsichtig! Oft auf Augenhöhe angebracht, dadurch blendet er stark. - Seitenlicht, Spitzen (Decken), Hinterlicht erzeugt eine Räumlichkeit auf der Bühne. Ist ebenfalls wichtig, wenn man mit Requisiten arbeitet, z. B.: Jonglieren. Falls du nur Licht von vorne bekommst, sind die Bälle, da sie sich zwischen dir und der Lichtquelle befinden, nicht immer für dich sichtbar.
- Hintergrundlicht: Beleuchtet Background. Einfachste Form mehr Atmosphäre auf der Bühne zu erzeugen.
Alle weiteren Formen der Effekte sollte man nur innerhalb eines abgestimmten Lichtkonzeptes einsetzen. Falls du nur gelegentlich Licht einsetzt, kann das schnell den Rest der Show abwerten.
Gerade Stand-Up Shows (Mixed-Shows) kommen oft mit einem Minimum an Licht aus. Meiner Meinung ist das auch einer Gründe für die Faszination dieser Entertainment-Form, die Fokussierung auf das Wesentliche. Je größer der Lichteinsatz ist, um so größer auch Vorbereitungs-, Kosten- und Zeitaufwand. Weil man das Licht nur schwer selber überprüfen kann, ist man gut beraten immer mit einem festen Techniker zu reisen. Was wieder dafür spricht, von großen Lichteffekten abzusehen. Ein guter Gag ist immer noch besser als jede Nebelmaschine.
Großen Wert würde ich aber auf die Abstimmung von Bühnenlicht und Zuschauerlicht legen.
Kostet nichts, ist schnell einzurichten und bringt viel. Die Idee dahinter lautet: So viel Zuschauer sehen, ohne dass diese sich unwohl fühlen. Je heller der Zuschauerraum ist, um so eher kann man die Zuschauer erkennen.
Zwischenfrage – Ist es wirklich wichtig, die Zuschauer sehen zu können? Wenn du klassischen Stand-Up machst auf jeden Fall. Aber je heller der Raum ist, um so beobachteter fühlen sich die Zuschauer und eigentlich will sich keiner wirklich beobachtet fühlen. Eine hell ausgeleuchtete Kantine ist natürlich nicht so gemütlich wie dunkler Partykeller. Doch wenn es zu gemütlich wird, wirst du merken, dass plötzlich weniger gelacht wird, denn man lehnt sich zurück und wird zu genüsslichen Beobachtern. Du willst aber Zuschauer haben, die an der Show teilnehmen. (Es gibt keine Regel, für die es keine Variation gibt.)
Das Spiel mit Zuschauerlicht und Bühnenlicht ist deshalb so wichtig, weil es Stimmung erzeugen kann. Und die eigentliche Kunst des Entertainments (direkte Kommunikation mit Zuschauern, Oberbegriff des Stand-Ups) besteht in der Erzeugung von Stimmungen. Stimmung erzeugen bedeutet, die Zuschauer mit auf seine ganz persönliche Reise nehmen. Sei es Musik, ein Vortrag oder Stand-Up.


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