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“Yes we can!“

Lars Hohlfeld 21. Mai 2009 1 Kommentar

lars41

New York mit Lars Hohlfeld
Von Einem der Auszog das Lachen zu lernen.

Part IV
“Yes we can!“

Mein Name ist Lars Hohlfeld. Ich bin mit Englischkenntnissen die eine DVD Cover Beschreibung kaum überschreiten nach New York gefahren um dort in Comedy Clubs aufzutreten (Part I, II, III). Und meinen ersten Auftritt habe ich fast hinter mir. …!

Ich stehe also hier auf der Bühne, geblendet von amerikanischen Scheinwerfern und frage mich gerade: warum mache ich das eigentlich?
Und die Antwort ist ganz einfach: Spaß! Ja, es ist der Spaß an der Herausforderung. Ob ich jetzt einen Marathon laufe, einen Sechstausender besteige oder ein 5000er Puzzle in uni Grün lege, jedes Mal geht es um das Glücksgefühl, wenn man es geschafft hat. Aber was ja jetzt viel wichtiger ist: Hat das Publikum auch Spaß? Oder hat es denn zumindest einmal gelacht?

Mein Auftritt war auf fünf Minuten angelegt – daraus wurden sieben. Ich stecke das Mikrofon zurück in den Ständer und verabschiede mich von den Leuten mit „Thank you“. Und dann höre ich Applaus. Sie klatschen und durchsetzten ihn mit Pfiffen und so. Mein erster, richtiger, herzlicher, amerikanischer Applaus! Schön – oder wie ich gerade denke: „Geil! Geil! Geil! Geil! Geil! Das hätte ich auch gerne mal in Deutsch.“
Okay, ich gebe ja zu, wenn die Leute gelacht haben wusste ich nicht genau: lachen sie über meine Witze oder über mich. Ist es mein Exotenbonus oder mein Outfit? Aber während ich stehe denke ich: Egal. Mir ist jetzt erst mal wurscht ob mit oder über mich. Sie lachen – Ziel errecht! Und es ist – hab ich das schon erwähnt? – Geil! Geil! Geil! Geil! Geil!

Wie vorher schon angeführt hatte ich elf Auftritte in neun Tagen, von denen ich einen Auftritt wegen Feigheit (Siehe Part III) habe ausfallen lassen. Leider ist ein Abend mit zwei Auftritten flöten gegangen, weil sich zu wenige Leute für die Show angemeldet hatten. Sehr schade, aber so etwas passiert selbst in New York. Man kann eben auch in New York sehen, welcher Club seine Hausaufgaben macht und welcher nicht. Bei den einen Clubs ist die Hütte voll und die Anderen machen halt eben gelegentlich mal auf. Es ist so wie bei uns in Deutschland. Ich hatte also einen freien Abend. Und was hab ich gemacht? Genau, ich hab mir eine Show angesehen. Und danach noch eine. Man bin ich ein Comedy Junky! Nicht ganz billig, aber ich hatte ja schließlich an der Miete gespart.
New York ist einfach unglaublich und ich bin noch nie so viel zu Fuß gelaufen wie dort. Ich habe sehr viel von den Shows gelernt. Einiges setze ich heute schon um – und den Rest morgen. Aber Eines ist mir auch bei den ganzen Künstlern die ich gesehen und mit denen ich gesprochen hatte aufgefallen: wir Komiker hier in Deutschland müssen uns überhaupt nicht vor irgendjemanden verstecken! Wir haben einen tollen Humor. Unsere Sprache ist für Comedy leider etwas hölzern und sehr präzise. Aber es ist unsere Muttersprache und die meisten von uns haben sie ja auch ganz gut im Griff, Alta!

Dennoch, die Amerikaner haben etwas, das bei uns in Deutschland – auch dank NightWash mitten im Aufbau ist. Es ist diese Haltung die dem Zuschauer vermittelt: ich mach das mal ganz locker, ich beziehe Euch mit ein, lasst uns einfach Spaß haben, ich habe ihn jedenfalls. Das ist in New York prima. Aber da geht das auch. Die Leute dort gehen in so einen Comedy Abend um, man soll es kaum glauben, um Spaß zu haben! Die Lachen dann auch und rufen an den richtigen Stellen rein. Wir sprechen hier auch scherzhaft von einem Profi-Publikum. In Deutschland haben hier bei Comedy immer noch sehr stark die Theaterstruktur: Da vorne ist der Künstler, hier ist das Publikum, dazwischen ist die vierte, unsichtbare Wand und wenn alles vorbei ist, dann klatschen wir. Und wenn wir Glück haben, dann klatschen wir bei 15 Euro Eintritt auch noch ne Zugabe raus. Aber das ist in Ordnung, das ist eben unsere gewachsene Kultur. Aber ich meine, was spricht dagegen noch weiter zu wachsen!

Dafür sind aber viele US Kollegen etwas unpräzise – eben diese Eigenschaft, die bei uns in Deutschland extrem wichtig ist. Die könnten sich von uns und der hohen Gagdichte unserer Künstler eine Scheibe abschneiden. Ich habe in den Clubs Künstler gesehen, die zwar unglaublich sympathisch waren, aber kaum einen Gag hatten. Und das waren Profis. Aber das Publikum war trotzdem gut drauf. Also es ist auch nicht alles Gold was in New York glänzt und eine Mischung aus beiden Kulturen scheint mir persönlich da der richtige Weg zu sein.
Für mich zumindest kann ich die immer wieder aufkommenden Fragen jetzt objektiver beantworten: Ist Comedy in Deutschland am Ende? Nein, sie fängt gerade erst an. Sind die Komiker aus England und den USA die wir hier so bewundern nicht viel lustiger wie wir? Nein, sie sind nur anders und dadurch interessant. Und können wir auf unseren Humor in Deutschland stolz sein? Und da möchte ich zitieren: Yes we can!
Wir haben hier viele tolle Komiker oder Comedians. Leider bietet das Fernsehen nicht die ganz optimale Plattform dies auch zu zeigen. In live Shows sieht das noch mal ganz anders aus. Also rein da! So ein Comedy Abend ist nun mal ein genialer Startschuss in ein tolles Wochenende: Man sieht sich einen Künstler oder eine Show an und geht danach gut gelaunt und immer mit einem Sack voller Themen in der Tasche ordentlich feiern. So macht Comedy Spaß, locker und ungezwungen – von beiden Seiten. Ist ja auch logisch. Ich meine, Sex wird ja auch dann erst richtig schön, wenn beide Spaß haben.

New York werde ich auf jeden Fall wieder besuchen. Ab Düsseldorf gibt es Flüge für 350 Euro, meiner Unterkunft werde ich bei 30 USD natürlich treu bleiben und gestern hat mir mein befreundeter Comedy Kollege Johnny Hollywood versprochen, weiter an meinem Englisch zu basteln. Also dann …!
Es ist eine tolle Erfahrung die ich jedem Kollegen nur empfehlen kann. Es waren zwei Wochen die ich als sehr, sehr anregend empfunden habe, oder wie ich eigentlich denke: sie waren: Geil! Geil! Geil! Geil! Geil!
Euch liebe Leser möchte ich danken fürs studieren meiner Zeilen und einen großen Danke schicke ich an Knacki für die Möglichkeit mich hier in diesem großartigen Blog mit einbringen zu dürfen.

Euer Lars Hohlfeld

——————–
Unser Gastautor Lars Hohlfeld ist Stand-Up Comedian und Comedy Autor. Auch er bloggt, unter http://www.lars-hohlfeld.de/larsblog/blog/

Den ersten Teil der New York Serie gibt es hier: “Make it real!“
Der zweite Teil hier: “My english makes me nobody so quickly after!“
Der dritte Teil: “New York Comedy Club!“

1 Kommentar »

  • Robbi Pawlik schrieb:

    hallo larsi,
    herzlichen dank für den bericht, ich freu mich.
    fand ich sehr interessant, daß die profis dort drüben
    gar nicht so viel punchlines kloppen.
    (ich hab’s geahnt: den begriff “oneliner” hat irgendein aktueller deutscher humorist erfunden. h.e. balder, k-j deuser oder
    fips asmussen.)
    gruß pawlik

    # 23. Mai 2009 um 20:48 Uhr

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