Stand-Up A-Z: O wie Orte
Das tolle an Stand-Up ist, dass man es fast überall machen kann. Wobei die Betonung auf “fast” liegt. Es ist schon schwer irritierend, wenn Euch gegenüber ein riesiger Spiegel hängt und Ihr Euch zwingen müsst, nicht ständig hinein zu schauen.
So wie man sein Publikum lesen sollte, sollte man sich auch vor dem Auftritt mit dem Raum vertraut machen, egal ob es sich um einen Stand-Up Auftritt oder eine Rede oder ein Referat handelt.
Wo hängt das Licht, sieht mich jeder, wie hoch ist die Bühne, wie klingt es auf der Bühne, wo liegen die Garderoben, von wo trete ich auf?
Die Erfahrung hat gezeigt, das es noch viele andere Faktoren gibt, die das Ergebnis deines Auftritt beeinflussen können. Dieselbe Nummer kann in unterschiedlich Räumen ganz unterschiedlich ankommen. Kinos sehen zwar verlockend aus, aber wenn dein Publikum es sich ersteinmal im Sessel bequem gemacht hat, ist es sehr schwer sie zum Kochen zu bringen.
Wir haben in Köln das Wohnzimmer Theater. Tolles kleines Theaterchen. Aber die 20 Leute, die vorne in bequemen Sesseln sitzen, geben dir selten das Gefühl, dass du rockst. Probier mal alleine in einem großen Sessel leidenschaftlich zu rocken. Geht nicht. Bestenfalls wirst du genüsslich beobachten. Wenn dir 300 Zuschauer zuhören, gleichzeitig aber 100 hinten an der Bar reden, weil sie dich nicht richtig sehen können, wirst du auf der Bühne wahnsinnig.
Unser Waschsalon ist taghell. Auch erfahrene Comedians waren am Anfang von diesem Setting sehr irritiert. Du siehst jedes Gesicht, es gibt keine Chance sich irgendwie und -wo zu verstecken, überall sitzen und stehen Leute und das auch 50 cm vor dir und wenn du dann nur dunkle Bühnen gewohnt bist, dann kann das deinen Auftritt komplett verändern.
Check die Bühnen vor deinem Auftritt genau. Lass dir etwas Zeit den Raum kennen zu lernen. Frage Kollegen welche Erfahrungen sie mit dem Ort gemacht haben. Wenn es dein erster Auftritt an diesem Ort ist, sei gewappnet, dass es vielleicht nicht direkt so läuft wie du es erwartet hast. Und egal was passiert, immer Ruhe bewahren und sich nicht sofort nervös machen lassen. Und immer daran denken, jede Veränderung und Irritation kann auch die Chance für einen neuen Gag sein.


K-J: ” Wir haben in Köln das Wohnzimmer Theater. Tolles kleines Theaterchen. Aber die 20 Leute, die vorne in bequemen Sesseln sitzen, geben dir selten das Gefühl, dass du rockst.”
Jein.
Ich gebe zu: es gibt Bühnen, die einfacher zu bespielen sind.
Hab’s auch schon von einigen Kollegen gehört, daß es
im WoZi schwer ist (selbst schon die Erfahrung gemacht).
Die Sessel sind sehr bequem, sie sind tiefergelegt, die Bühne dagegen ist recht hochgelegen. Ein großer Fehler vieler
Akteure ist, daß sie sich vorne an die Bühnenkante stellen.
Da kommen sich die Zuschauer in der Ersten Reihen vor
wie im Kino in der Ersten Reihe. Tip für Newcomer, die
dort Sonntags mal bei der Offenen Bühne auftreten möchten:
postiert Euch 1,5-2 m weiter hinten – wirkt Wunder.
Thema Licht: im Gegensatz zu ComedyMixes in Kneipen etc. (oder eben im Falle des Waschsalons mit extrem hellen Lichtverhältnissen) isses im Wohnzimmertheater so, daß man das Publikum von der Bühne aus kaum sieht. Du stehst vor einer Wand, siehst allenfalls die ersten drei-vier Reihen. Es ist halt ein Theater. Ich persönlich mag es eigentlich auch lieber, das Publikum komplett zu sehen. Allerdings, wenn man eine Zeit lang mit Programm durch diverse Kleinkunstbühnen tourt, stellt man -v.A. wenns größere Häuser sind-fest: dort isses viel schlimmer. Da siehst Du Nix! Du hörst die Leute, wenn sie lachen, mitmachen, -singen, -klatschen, riechst vielleicht, wenn sie sich vor der Show einen Gyros mit Zaziki reingezogen haben. Und kannst akustisch mit der Zeit ‘Comedy-Rock-n-Roll-Johlen’ von ‘distinguiertem Kabarett-Applaus’ unterscheiden. Es gab auch schon einige Comedians,
die sagten: ‘wenn Du im WoZi rockst, dann bist Du gewappnet für größere Bühnen.” (es wäre allerdings zu hoch gegriffen zu sagen: “…dann schaffst Du’s überall.” )
Daß das Wohnzimmertheater ‘rarely-rockable’ ist, kann
ich nicht bestätigen. Sehr oft erlebt, daß dort ‘ne Knaller-
Stimmung ist. Tolle Comedy-Bühne.
Gruß Robbi Pawlik
Hi Robbi, ich habe nicht vor das Wohnzimmer zu dissen, ich weiß nicht in wie vielen Interviews ich das Wohnzimmer Theater positiv erwähnt habe. Weil ich von den Sesseln gehört habe und das so abgefahren fand, bin ich zum ersten Mal dorthin gegangen. Nicht desto trotz ist genau dieses besonderes Ambiente auch seine Herausforderung. Sorry, aber da muss man nur allen Künstlern zuhören, die Sonntags in der offenen Bühne aufreten. Aber ich sage ja nicht, weg mit den Sesseln, sondern macht euch klar, dass jeder Raum seine Besonderheit hat und wenn es nicht so rockt, muss es nicht immer an euch liegen. Wir sind in Dortmund aus einem Kino weggegangen, weil es dort unwahrscheinlich schwer war. Was nicht heißen soll, dass es nicht mal gerockt hat. Ansonsten bin ich froh über jeden bestehende Comedy-Bühne. KJ
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Das Blog ist die Plattform für neue Ideen, exklusive Interviews, regelmäßige Kolummnen und interessante Reviews die eines gemeinsam haben - es geht um Comedy.
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