Stand-up A-Z: V wie Videoanalyse (II)
Dies ist eine überarbeite erweiterte Version des Artikels vom 13.05.09.
“Was muss ich machen, um besser zu werden?“ / „Dein ultimativer Tipp?“
Auftritt aufzeichnen und diese Aufzeichnung am nächsten Morgen ansehen. Glaub mir, es gibt nichts Einfacheres, um besser zu werden und es gibt auch nichts Härteres. Meiner Meinung nach gehört mehr Disziplin dazu sich seine Auftritte regelmäßig anzusehen, als sich regelmäßig an den Schreibtisch zu setzen und neue Texte zu schreiben. Noch mal zur Klärung: Auftritte aufzeichnen ist ein guter Anfang, aber dann bitte auch ansehen.
Ein guter Freund von mir zeichnet jeden Auftritt auf. Das ZDF kann nicht mehr Aufwand betreiben. 3-Chip Camcorder, Hightech-Stativ, 15 min. Soundcheck, Intensiv-Einweisung des örtlichen Technikers, detaillierter Plan für Kamerafahrten und Zooms. Wenn er sich jetzt die Aufnahmen auch noch ansehen würde… (OK, er ist auf der Bühne einfach einer der Besten. Vielleicht ist es seine Art mit Nervosität umzugehen.)
Aber verstehen kann ich ihn. Ich fühle mich auch immer extrem unwohl, wenn ich mich selbst beobachten muss. Irgendwie hat man doch ein ganz anderes Bild von sich selbst. Man redet anderes, als man glaubt, bewegt sich anderes und macht Fehler an Stellen, an denen man sie nie vermuten würde. Egal wie gut du bist, du hast garantiert mehr Fehler gemacht, als du dir vorstellen kannst.
Trotzdem, diese Video-Analysen haben nicht die Aufgabe dich runterzuziehen, sondern sie sollen dir helfen deinen Act, deine Show oder deine Präsentationen zu verbessern. Daher lautet die gute Nachricht: Du erkennst nicht nur die verunglückten, sondern auch die guten Gags und auf die musst du dich konzentrieren.
Wo ist der größte Applaus, wo die größte Ruhe? Wo lachen die Leute lange und herzlich? Was habe ich an diesem Tag anderes gemacht? Situativ reagiert? Kann ich diese Veränderung in meinen Text einbauen? Habe ich Pausen anderes gesetzt als sonst?
Achte vor allem auf die Lacher und die Reaktionen, die besser und stärker sind als üblich. Was könnte Grund dafür sein? Du wirst merken, dass es oft eine Frage der Ruhe, der Selbstsicherheit und der Selbstkontrolle ist, die deinen Act verbessern. Man könnte diese Faktoren auch unter dem Begriff Timing zusammenfassen. Gerade für die Verbesserung dieses immer so häufig beschworenen Timings helfen dir diese Analysen enorm. Und sobald ihr euch das Video angesehen, analysiert und bestenfalls die textlichen Verbesserungen notiert habt, möchte ich euch auf den ultimativsten aller Tipps hinweisen:
Video wegschmeißen und auftreten.
Alles hat seine Zeit. Analysieren, Texte schreiben und nachdenken. Doch sobald du auftrittst, geht es um Spaß, Leidenschaft, Mut und an den Glauben an dein Material. Und erst danach solltest du wieder ans Analysieren gehen.
Kurzer technischer Hinweis: Gebt lieber sofort etwas mehr Geld für ein vernünftiges Mikro aus. Wenn die Bildqualität nicht optimal ist, reicht es immer noch zur Analyse, aber wenn du dich nicht verstehst, wird es schwer. Wichtig ist auch, dass du nicht nur deinen Sound aufzeichnest, sondern auch versuchst so viel wie möglich von der Saalstimmung mit aufzunehmen (Atmo), sonst weißt du später nicht, ob dein Publikum gelacht hat oder nicht.
Ich wundere mich nur, warum ich, der schon so lange um dieses Hilfsmittel weiß, es selber so selten einsetze. Wie gesagt Tipps gibt es viele …



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