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Kleinere Schicksalschläge… „Überbrück mal eben“

KJ Deuser 6. Juli 2009 2 Kommentare

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2005, Herbst, Aufzeichnung von NightWash für den WDR, 30 Sekunden vor dem Schluss der Nummer des letzten Künstlers, Fatih Cevikkollu, ein kurzer Stromausfall. Ist ärgerlich, passiert aber. In solch einem Fall wird die Nummer kurz abgebrochen, man wartet, bis die Technik wieder läuft und der Künstler setzt kurz vor der abgebrochenen Stelle noch einmal an.
Kaum hatte Fatih wieder angefangen, dasselbe Problem. Schon ärgerlicher. Man spürte, wie alle etwas unruhig wurden, aber Fatih, super cool, setzte die Nummer auch noch ein drittes Mal an. Exakt an derselben Stelle der nächste Abbruch. Richtig unangenehm wurde es, als wir auch den 4. Versuch abbrechen mussten. So was ist uns in den bis dato 80 Aufzeichnungen noch nie passiert. Was machen? Die Technik muss einmal komplett durchgecheckt werden. Wie lange das genau dauern würde, konnte mir aber keiner sagen. Der Aufnahmeleiter hielt beide Hände aus der Tür der Garderobe. 10 Minuten? Ok, das kann ich irgendwie retten.

Das Publikum saß jetzt schon seit zwei Stunden im Waschsalon und der war wie gewöhnlich extrem heiß. Wenn wir jetzt die Zuschauer für eine Pause nach draußen schicken würden, würden sicherlich einige nicht zurückkommen und wir würden wahrscheinlich auch nicht mehr die Stimmung hin bekommen, die wir gerade hatten. Da ich bei NightWash nicht nur Moderator, sondern auch Produzent bin, entschied ich das Publikum solange im Waschsalon zu halten, bis alles wieder läuft.
Dummerweise habe ich noch einen dritten Job. Ich bin nämlich auch der Warm-upper der Sendung, das heißt, ich bin derjenige, der die Zuschauer in den Pausen bei Laune halten muss. Mach ich prinzipiell gerne und ist bei NightWash auch nie so schwer. Uns war immer wichtig, dass wir nicht eine künstliche hochgepuschte Stimmung haben, sondern dass die Zuschauer sich entspannt auf die Künstler freuen können. Aber nach fast zwei Stunden waren auch die größten Fans froh, wenn so eine Aufzeichnung zu Ende geht.

Zum weiteren Verständnis sollte ich vielleicht noch vermerken, dass ich zwar die ganzen Jahre vorher die Sendung moderiert und immer mal den ein oder anderen Gag gesetzt habe, aber ich hatte keine Nummern wie die auftretenden Künstler, geschweige denn ein ganzes Programm. Aber 10 Minuten habe ich mir schon zugetraut. Mein Warm-up vor der Aufzeichnung ist nie schlecht und dauert ja auch 12 – 15 Minuten. Dummerweise hatte ich aber die vermeintlich besten Gags genau dort im Warm-up schon verbraten.

Egal, mach das Beste aus der Situation und fang an. Wie ich solche Sprüche früher gehasst habe. Blöderweise war ich es diesmal der mir diesen Spruch reingedrückt hat und da ich jetzt schon genug Stress um die Ohren hatte, wollte ich mich nicht auch noch mit mir anlegen. Was dazu führte, dass ich anfing. Währenddessen suchte ich in meinem Kopf nach allem, was irgendwie nach Gag, Witz oder komischer Story aussah. Es war ja nicht so, dass ich mich schnell noch einmal hätte zurückziehen können, doch dafür lief es gar nicht so schlecht. Die Zuschauer lachten und ich war froh einmal nicht die üblichen 10 Warm-up Gags bringen zu müssen. Meine Angst war nur, dass die Crew das Technikproblem nicht rechtzeitig lösen würde. Immerhin stand Fatih neben der Bühne und war bereit sofort wieder zu starten.
Irritierenderweise zeigte mir unser Aufnahmeleiter ständig seine zwei Hände. Habe ich da was falsch verstanden? Oder war mein Zeitverständnis irgendwie aus den Fugen geraten. Ich weiß, dass ich schnell reden kann, aber auch ich kann nicht 10 Gags in 0 Minuten spielen. Umgekehrt geht das, aber das wollte ich mir nun doch nicht vorstellen. Komm, 3 – 4 Minuten schaffst du noch. Erstaunlich, was einem auf der Bühne alles einfällt, wenn der Druck nur hoch genug ist. Die Technik lief zwar immer noch nicht, aber immerhin ging niemand und ein Stammgast, der bei meinen Moderationen noch nie gelacht hat, hatte gerade geklatscht. Immer noch zwei Hände. Vielleicht doch eine Pause? Ich könnte aber noch ein paar USA-Storys erzählen. Ich habe eigentlich eine ganz gute Idee für eine NY-Nummer. Wow, ich sehe klatschende Hände. Noch wichtiger war mir aber, was sagen die Hände aus der Garderobe?
Sie sagten „Daumen hoch“. Wahnsinn, ihm gefällt es auch. Tatsächlich hat es ihm wohl gefallen, zumindest hat er das hinterher gesagt, aber an dieser Stelle wollte er mir zu verstehen geben, dass die Technik wieder am Start sei. Als ich diese Botschaft dann nach zwei Minuten sofort verstanden hatte, habe ich Fatih noch einmal auf die Bühne geholt, der auch ohne Probleme seine Nummer beendet hat. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass sein Applaus nach dieser Panne gigantisch war.

Ich jedenfalls werde diese 15 Minuten nie vergessen. Vor allem, weil nach der Show zwei Künstler und unser Redakteur zu mir kamen und alle das selbe sagten: „Knacki, ich wusste ja gar nicht, dass du ein Solo-Programm hast?“ Ich auch nicht. Was hatte denn diese Panne mit meinem Solo-Programm zu tun? Nun wie sich später rausstellte, ist nicht die ganze Technik ausgefallen. Eine Kamera lief die ganze Zeit durch und anhand dieser Aufnahme konnte ich feststellen, dass ich nicht 15, sondern genau 63 Minuten überbrückt habe und ehrlich gesagt, damit kannst du locker mit einem Solo-Programm starten. 8 Monate habe ich das mit dem Programm „Stand-Up!!“ dann auch gemacht.

Das ganze Jahr über hatte ich schon mit mir gerungen, ob ich mich nicht vielleicht einmal selber an ein Programm herantrauen sollte, aber ich bin mir sicher ohne diesen Katstrophenabend hätte ich diese Idee nie realisiert.

2 Kommentare »

  • Sal schrieb:

    Ein sehr schönes Beispiel wie intensive Momente das Leben verändern können.
    Wäre jetzt zugern dabei gewesen um es miterlebt zu haben ;D

    # 17. Juli 2009 um 23:41 Uhr
  • hgsscpt schrieb:

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    # 6. Dezember 2011 um 13:48 Uhr

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