Stand-Up A-Z: Ü wie Überraschung
Warum lacht man?
Es gibt einen ganzen Wissenschaftszweig, der sich mit dieser Frage beschäftigt, die Gelotologie. Man geht davon aus, dass Lachen eine angeborene Fähigkeit ist, mit der man auf komische Situationen reagiert. Lachen kann aber auch eine Form der Entlastungsreaktion nach überwundenen Gefahren sein oder als Abwehrmechanismus gegen spontane Angstzustände eingesetzt werden.
Keine Angst, ich möchte jetzt niemanden in Extremsituationen versetzen, damit es zu einem befreienden Lachen kommt. Die entsprechenden Nahtoderfahrungen kommen beim ersten Auftritt sowieso von ganz alleine. Trotzdem ist ganz hilfreich zu wissen, wie man Lachen gezielt bewirken kann.
Vereinfacht ausgedrückt lacht man über überraschende Aktionen, die letztendlich immer einen positiven Ausgang haben, denn sonst würden wir von einer Tragödie sprechen und müssten alle heulen.
Im Fall von Witzen ist die Pointe der überraschende Moment. Jemand findet eine Antwort auf ein Problem, die nicht der aufgebauten Erwartungshaltung entspricht. Treffen sich zwei Musiker. Fragt der eine: „Hast du mal ein Tempo?“ „Klar. A one, a two, a one, two three, four.“
Dieser Witz funktioniert, wenn dem Zuschauer suggeriert wird, dass es sich bei dem Tempo um ein Tempotaschentuch handelt. Durch das Spielen mit Erwartungshaltungen wird aus einem Wortspiel ein funktionierender Witz, da man als Zuhörer diese Lösung nicht erwartet.
Slapstick ist die reinste Form der Überraschung. Man lacht, weil einer der Akteure unerwartet hinfällt, sich stößt oder von einer Leiter getroffen wird. An dieser Stelle höre ich förmlich wie sich Leser zu Wort melden und mir entgegnen, dass Slapstick doch pure Schadenfreude ist. Nein!! Überraschung. Erst kommt die Überraschung und dann die Schadenfreude. Über den ersten Stolperer der Clowns im Zirkus lacht jeder. Erst dann setzt der Prozess der Schadenfreude ein und dann lachen manche weiter und andere hören auf.
Wie nah Überraschung und Lachen beisammen liegen, zeigt eine ganze Armada von Filmen wie Scary Movie 1 bis 135, die zum Teil hervorragend Horror- und Comedyelemente verbunden haben. Je nachdem wie der Schockmoment aufgelöst wird, bekommt man entweder Angst oder man lacht.
Gefährlich wird es, wenn die Seh- oder Hörgewohnheit der Zuschauer so trainiert sind, dass sie das Prinzip der Witze oder der Sketche erkennen. Deshalb halten sich gewisse Witze-Trends nur eine begrenzte Zeit. Irgendwann hat man so viele Blondinen-Witze gehört oder Sketch-Shows gesehen, dass man in der Lage ist, die Pointe vorherzusagen, da man versteht, wie der Witzmechanismus funktioniert.
Und das macht das Feld der Comedy und des Lachens so schwierig und so spannend.
Man muss nicht nur wissen, wie man sein Material (Texte, Witze, Gedichte, Blicke, Gesten, Sounds) richtig einsetzt, man sollte es außerdem auch noch ständig verändern und erweitern.
Wer kennt nicht in der Familie den ein oder anderen Onkel, der ständig dieselben drei Witze erzählt. Erstaunlicherweise gibt es aber immer wieder Menschen, die über diese Witze lachen. Vermutlich sind die Witze für die Ersthörer gar nicht so schlecht, nur wir haben sie einfach schon zu oft gehört.
Das bedeutet für die Bühne, entweder sollte man seine Witze regelmäßig erneuern oder regelmäßig neue Zuhörerschaften suchen.


Top-Beitrag! Zu den letzten beiden Absätzen fallen mir auch schlagartig zig Anekdoten ein, die ich jetzt natürlich allerdings verallgemeinert erwähnen möchte. Und zwar, so hab’ ich es schon viele Male (mit-) erlebt, spreche ich damit von Leuten die neben, hinter oder vor dir im Publikum sitzen und du ganz genau jedes Mal mithören musst: “Ohhh, nicht schon wieder. Gleich kommmt das und das” – Ganz krass sind dann auch besonders die Momente, wo sie nach der Pointe “Siehste!” o. ä. sagen und dabei oft auch noch ein “spöttisches Lachen” rausbekommen.
Spricht man dann aber im Anschluss nach den Shows offen darüber, so lobt man alles in den Himmel und es war ein derart grandioser Abend – “wie auch schon die vielen anderen Male zuvor”. Es gibt Leute, die haben sich nach einer Weile im wahrsten Sinne des Wortes einfach an Programmen satt gesehen, verschulden das aber quasi ganz für sich allein, weil eben sie es sind, die trotzdem immer wieder und wieder kommen, und das ganz freiwillig. Vll. möchten sie dabei neue Fortschritte oder Gags verzeichnen, aber wenn man sich in einem Jahr 20x oder gar noch öfter ein und dasselbe Programm reinzieht, so läuft es ab einem gewissen Mal (vorerst) auch nur auf ein und dasselbe hinaus. Ich frage mich dabei auch jetzt wieder, ob solche Menschen meinen sie müssten darüber lachen und es gut finden, eben weil sie es schon vorher so oft getan haben, oder auch warum sie dann erst mal keine Pause einlegen, nachdem die oben beschriebene Situation erstmalig aufgetreten ist. Denn damit verdirbt man ja – nicht nur sich – ordentlich den Spaß damit.
Na ja Ana, ich finde du wirfst da zwei Sachen in den Topf, uns zwar zwei Sachen die man nicht zusammen kochen darf, so wie Wurst und Nudeln zum Beispiel. OK in Suppen ist vielleicht manchmal auch wurst neben den Nudeln vorhanden aber eine ganze Rindswurst hab ich noch nie in der Suppe gesehen. Was ich damit sagen will ist das es die einen gibt die sich das Programm immer wieder reinhauen (Fall 1) und die anderen die ohne auch nur den Künstler zu kennen seine Pointen voraussehen können (Fall 2).
Ich will die Welt auch bald mit „Mir“ beglücken und mache mir deshalb darüber (Fall 2) so meine Gedanken. Ich glaube wichtig ist die Balance zwischen Sprache und Thema d.h. wenn ich immer das gleiche Thema wie Blondinen benutze ist irgendwann alles gesagt und wenn ich immer die gleichen rhetorischen Kniffe benutze (auch wenn das Thema wechselt) würde irgendwann irgendwie ein Dej-vú Effekt auftreten. Ich denke das schwierigste wird sein Thema und Sprache zu verändern ohne jedoch das „mein Charakter“ verloren geht, so das man immer das Gefühl hat das eine frische Briese weht.
Und weil ich so klug bin habe ich mir auch über den Fall 1 so meine Gedanken gemacht. Natürlich kann man nicht jede Woche ein komplett neues Programm schreiben aber man kann einige Variablen einbauen die man immer wieder leicht verändern kann. Diejenigen die sich eine Show immer wieder reinpfeifen sind doch die Hardcore Fans und wieso soll ich von denen genervt sein ? Ich will ihnen einfach immer wieder ein bisschen was neues bieten können. Schließlich will ich ja gerade wegen diesen Leuten Comedian werden!
Damit hast du auch völlig recht! Ich habe auch in keinem Satz behauptet, dass ich all das als “ein Thema” ansehe. Als ich den Beitrag gelesen habe fiel es mir, wie auch bereits darin geschrieben, nur parallel dazu ein und ich hab’s lediglich damit versucht, ja, … sozusagen zu verbinden. Ich wollte nun damit um Gottes Willen keine Diskussionswelle auslösen oder sonst irgendwas entfachen, ich seh’ mein erstes Kommentar jetzt mal schlichtweg als “lautes Denken”. Auch was die sog. Hardcore-Fans angeht, so könnte man auch da wieder zwischen den Unterschieden unterscheiden – ja, wohl wahr. Aber wie gesagt, natürlich hängt da nicht alles an einem Baum.
Diskussionswelle ??? Oh man das war doch nur ein Beitrag, und wieso eigentlich nicht ? Wir sind doch hier unter uns. Abgesehen davon kenn ich die Seite selbst erst seit gestern und das hier ist jetzt genau mein vierter Kommentar.
Ich schreib’ mich hier noch um Kopf und Kragen.
Alles nicht so gemeint – aber da kann man mal sehen, wir bleiben voll beim Thema: “Überraschung!”.
Mir fiel bei meinem letzten Kommentar dann doch noch was ein, denn irgendwie haben all diese erwähnten “Themenfetzen” doch irgendwie was gemeinsam: Man macht sich die Überraschung, das überraschend-befreiend auftretende Lachen kaputt – wie von Knacki erwähnt als Künstler, oder wie eben von mir erwähnt über kurz oder lang sich selbst. Stimmt, das war die einzig mir sofort auffallende Gemeinsamkeit bei der ganzen Sache, weshalb sich auch die Anekdötchen in meinem Kopf versammelt und mich dazu genötigt haben, hier was dazu zu schreiben. Jetzt weiß ich’s wieder! (Mein Kopf will mich dafür jetzt trotzdem nicht loben und hämmert weiterhin wie bereits seit Stunden, … Das wär’ auch mal ‘ne Überraschung für mich gewesen …)
Wow, habe ich da was verpasst? ich habe jetzt ehrlich gesagt nicht allesverstanden,aber Diskussionswelle finde ich gut. KJ
Mein Lieblingshassmechanismus, der leider viel zu oft sowohl von Anfängern als auch von Profis benutzt wird, versteckt sich in diesem Witz:
“Die Schule ist heute sehr gefährlich. Beleidigungen, Gewalt, Heroinkonsum. Und die Schüler sind auch nicht viel besser.
Bei den ersten 2000 mal war das sehr funny. Seit ein paar Jahren nur noch ausgelutscht.
Hier ist er auch noch:
Ich bin Psychologin. Das ist schierig. Ständig Beziehungsprobleme, Streit, Selbstmordgefahr. Und die Patienten kommen auch noch mit ihren Problemen.
Wer noch gags kennt in denen dieser Witzmechanismus vorkommt bitte hier auflisten für die Streichliste hahahahahaha
LG
@ Observer: stimmt, waren mal sehr lustig. Manchmal muss man nur warten und dann fuktionieren die wieder. Bin immer wieder erstaunt, wenn Kinder uralte Witze erzählen und sich darüber kaputt lachen, weil sie die noch nicht kennen. Den mit den Lehren erzähle ich hin und wieder ähnlich, funktioniert noch, aber eben nur noch so halb. Doch es ist immer schwer sich von ehemaligen “Brüllern” zu verabschieden.
Folgender Witz ist auch eindeutig auf dem Abstieg:
“Ich habe mal bei den Weight Watchern angerufen. Hat aber keiner abgenommen…”
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Deuser or Die - das Comedy-Blog
Das Blog ist die Plattform für neue Ideen, exklusive Interviews, regelmäßige Kolummnen und interessante Reviews die eines gemeinsam haben - es geht um Comedy.
Für Deuser or Die schreiben und produzieren:
Knacki Deuser, Chris Liebig, Das Stille Wörtchen, Die Herren Vorragend und Steve Dix
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