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Stand-Up A-Z: Q wie Qualität

KJ Deuser 15. Juli 2009 5 Kommentare

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Deutscher Comedypreis 2008. Dieter Nuhr hat so eben das erste Mal die TV-Show moderiert. Nicht schlecht.
Olaf Schubert ist zum besten Nachwuchs-Comedian gewählt worden. Geht doch.

Auf der Aftershow-Party sprangen sie dann alle rum. Atze, Cindy, Pastewka, Anke Engelke, Mario Barth, Johann König, Hennes Bender, Michael Kessler, Ausbilder, Pocher, Dave Davis (wurde gerade mit Bruce Darnell verwechselt), Bülent Ceylan, Eckardt von Hirschhausen, Johannes Flöck, Ingo Appelt, Rüdiger Hoffmann, Hugo Egon Balder, Dirk Bach, Carolin Kebekus, John Doyle, Ingo Oschmann und und und…

Und warum wird man berühmt? Warum sind einige erfolgreicher als andere? Das sind sicherlich Fragen, die sich jeder schon einmal gestellt hat. Ich glaube es gibt zwei Schlüsselfaktoren, die für den Erfolg verantwortlich sind. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und Qualität.

Den ersten Faktor kann man nur bedingt beeinflussen, den Zweiten jedoch extrem. Bleiben wir kurz bei ‘zur richtigen Zeit am richtigen Ort’. Immer wieder gibt es Künstler, sei es in der Musik, Kunst, Mode oder in der Comedy, die den Nerv der Zeit perfekt treffen. Manchmal trifft man nicht nur den Nerv, man prägt ihn. Das sind die ganz großen Momente der Kunst (Leider sind diese Momente seltener als wir Künstler es uns wünschen.).

Rückblickend glaube ich sagen zu können, hat es immer die Künstler ganz nach oben gespült hat, die Trends frühzeitig erkannt haben oder sogar Teil dieser Trends waren. Man kann Jahrzehnte zurückgehen und findet viele Beispiele, wie die unterschiedlichen Epochen ihre typischen Comedians hatten.
Die wilden 20er mit ihren Dadaisten und Künstlern wie Karl Valentin (schon die erste Ausnahme. Er war prägend, aber nicht wirklich erfolgreich).
Das Nachkriegsdeutschland mit seiner Suche nach der heilen Welt und Künstlern wie Heinz Erhardt und Peter Alexander.
Die späten 60er mit seinen politischen Liedermachern und der Ablehnung von inhaltsleerem Spaß. Die kreativen 70er mit dem Beginn einer eigenen neuen deutschen Humorwelt, Otto, Insterburg & Co., Loriot. Die abgefahrenen 80er mit ihrer großen Experimentfreudigkeit. Eine Vielzahl von Ensembles, wie das Frankfurter Front Theater, Shy Guys, Niegelungen, Ars Vitalis, Pretty Show Company, Kleine Tiershow, Kölner Filmdose.
Die 90er führten dann zu einer kontinuierlichen Professionalisierung und Kommerzialisierung dieser Welt. Immer mehr Einzelstars tauchen auf. Tom Gerhardt, Dirk Bach, Ingo Appelt, Rüdiger Hoffmann, Atze, Mittermeier.
Das neue Millennium hat uns dann Klinsmann, die WM, den Aufschwung und Mario Barth geschenkt. Dann kommt die Krise und plötzlich tauchen Komiker wie Cindy aus Marzahn auf. Vielleicht Zufall, vielleicht passt sie aber einfach perfekt in diese Zeit.

Zurück zur Qualität. Wer ganz nach oben kommen will, muss entweder wie eben beschrieben etwas Glück oder das richtige Näschen für Trends haben oder er muss besser als gut sein. Ich denke da unterscheidet sich die Welt der Comedy wenig von der restlichen Welt. Im Marketing redet man schon lange nicht mehr von Kundenzufriedenheit, sondern mindestens von der Kundenbegeisterung. Wir leben in einer Welt von Verdrängungsmärkten, dass bedeutet alle möglichen Felder sind schon von anderen Menschen, Künstlern, Formaten besetzt und gegen die muss man sich durch- und absetzen.

Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Qualität kann man selber bestimmen und steigern. Ich weiß, gerade, wenn man als Comedian anfängt, zu arbeiten, glaubt man, dass es spannender ist, regelmäßig mittags zu frühstücken und dabei nach neuen Trends Ausschau zu halten, als sich um 9:00 an den Schreibtisch zu setzen und Texte zu schreiben. (Hätte mir das vor 20zig Jahren bloß mal jemand gesagt, vielleicht müsste ich jetzt nicht mehr so viel arbeiten. Wahrscheinlich hat es jemand, ich habe es nur nicht geglaubt. Geschrieben bekommt solche Botschaften eine ganz andere Ernsthaftigkeit.)

Ob man erfolgreich als Comedian arbeiten möchte oder seine Präsentationen verbessern möchte oder hofft besser flirten zu können, es geht nur über Arbeit. Nachdenken, beobachten, Texte aufschreiben und üben, üben, üben… (Hilft sogar beim Flirten.)

P.S.: Noch eine gute Nachricht für die Comedians. Es gibt wenige Jobs, bei denen Älterwerden weniger stört.

5 Kommentare »

  • Fabian schrieb:

    Was definiert denn die Qualität? Anzahl der Lacher pro Minute, Stärke der Lacher oder i-eine Aussage? I don’t know^^

  • KJ Deuser schrieb:

    Berechtigete Frage. Vielleicht kann man die Suche nach der Qualität als den Versuchen verstehen, immer besser werden zu wollen. Nicht stehen bleiben, sondern immer weiter an seinem Material und seiner Präsentaion arbeiten. KJ

  • Sven K. schrieb:

    Hihi.

    Ich sach nur: http://blogtoons.de/brushup.html

  • Glenn schrieb:

    Moin Moin,

    gute “Qualität” ist m.E. wenn du die Leute in der Show zum Lachen und nach der Show zum Nachdenken bringen kannst.

    Im Grunde trifft der von KJ beschriebene Bereich der - Nachhaltigkeit - perfekt auf den Oberbegriff der Qualität.

  • Simone schrieb:

    Qualität ist in meinen Augen vor allem Authentizität. Nicht spielen, sondern sein. Souverän auftreten, aber nicht am Konzept haften. In der Lage sein, zu reagieren und sich flexibel anzupassen (an das Publikum und die Stimmung). Verblüffen, unterhalten, berühren und (selbst in der Comedy) zum Nachdenken anregen.

    Und wie schafft ein Künstler das alles am Ehesten? Wenn er authentisch ist, Talent hat und sein Handwerk beherrscht und es irgendwie immer wieder neue erfindet und sich dabei trotzdem treu bleibt… oder?

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