Stand-Up A-Z: B wie Beobachtung

Typische Publikumskommentare einer richtig guten Show: „So ist es! Genau das kenn ich! Stimmt ja! Da hat er ja Recht!“
Typische Künstlerkommentare: „Mist, warum habe ich das nicht gesehen. Warum ist mir das nicht eingefallen. Das liegt doch so auf der Hand.“
Gute Texte basieren häufig auf guten Beobachtungen.
Man muss sie nur haben. Genau wie das Auftreten muss man auch das Beobachten lernen und trainieren. Die ersten Tipps, die ich bekommen habe, lauteten: „Jetzt setz dich einfach mal in die U-Bahn und beobachte.“ Habe ich natürlich gemacht. Ich also ab in die U-Bahn und dann guckte ich und guckte und guckte und am Ende hatte ich so viele Eindrücke, dass ich gar nicht mehr wusste, was ich alles gesehen habe.
Nicht einfach Bahn fahren und „mal gucken“, sondern erst dann fahren, wenn du dir im Vorfeld deinen persönlichen Fragenkatalog erstellt hast. WIE fahren die Leute Bahn:
Wer steht, wer setzt sich, wie halten sich die Leute fest, wer redet mit dem Busfahrerbzw.bahnfahrer?
Überlege dir auch wo deine Fragen beantwortet werden könnten. Es macht wenig Sinn, Vögel beobachten zu wollen und dann tauchen zu gehen.
Und als nächstes musst du das Besondere aus deiner Beobachtung herausfiltern und gegebenenfalls überspitzen. Ein Beispiel zum Thema Kino und dem Unterschied „früher – heute“.
„Früher wurde geknutscht, heute wird gegessen. Ich warte nur darauf, dass die neben mir anfangen zu Grillen.“
Beobachtung und Überspitzung.
Je mehr du dich vorbereitest und je mehr Fragen du dir stellst, desto mehr erkennst du auch. Und je besser du die Absurdität des Alltages durchblickst, um so besser wird dein Material.


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