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„Wow, wem habe ich denn da wieder was zugesagt?“

KJ Deuser 17. August 2009 1 Kommentar

yesno

Ich finde nicht, dass das Fernsehen noch die Bedeutung innerhalb der Gesellschaft hat wie vor 10 oder 20 Jahren, es zieht dich aber während der Arbeit immer noch extrem in seinen Bann und es fühlt sich gut an vor einer Kamera rumzuspringen.

Trotzdem – richtig Spaß machen Liveauftritte. Comedy ist Live! Du gehst auf die Bühne und die Zuschauer gehen ab. Das ist Adrenalin und Glück pur.

Es gibt nur ein klitzekleines Problem mit dieser Euphorielawine. Sie macht dich anfällig für die Entgegennahme von Bitten und Wünschen, mit denen Menschen nach Auftritten auf dich zukommen. Ein Lehrer kam nach einem solchen Auftritt mit einem Bier auf mich zu, drückte es mir glücklich strahlend in die Hand zu und fragte, ob ich nicht an seiner Schule für seinen Theaterkurs einen Vortrag über die Comedyarbeit halten könnte und ob sich das nicht vielleicht noch mit einem kurzen Workshop verbinden ließe.

Da war ich doch in meinem Metier. Begeistert griff ich seinen Vorschlag auf. „Klar, so was muss man machen, junge Menschen unterstützen, finde ich super. So eine Idee hatte ich selber schon einmal, machen wir, ruf im Büro an und sucht einen Termin, an dem ich kann.“

Drei Wochen später fragte mich mein Büro, ob ich denn schon einen Titel für meinen Vortrag hätte, denn die Schule hätte angerufen und bittet um mehr Informationen, die sie der örtlichen Presse zu Verführung stellen möchte.
Wie Schule, Presse, Vortrag? Ich wusste gar nicht, von was sie sprachen? „Na der Vortrag und der Workshop, den du nächste Woche an dem Gymnasium in Weiden halten willst.“

Wow, wem habe ich denn da wieder was zugesagt?
Ich hatte noch eine Woche und nur eine grobe Vorstellung, was ich da machen könnte. Aber eine Idee für den Titel oder wie ich starten sollte, hatte ich nun wirklich nicht. Das hat sich auch in den folgenden Tagen nicht geändert. Ich habe mir den Kopf zermartert, aber mir fiel weder ein sinnvoller Titel noch der richtige Einstieg ein.
Einen Tag vor dieser geplanten Lehrstunde wurde ich dann richtig nervös. Der Lehrer und das Sekretariat der Schule riefen fast im Stundentakt an. 21 Schüler und Schülerinnen hatten sich schon angemeldet, zwei Zeitungen und das Lokalradio standen auf der Matte. Nur ich hatte immer noch keinen Titel und keine Idee, wie ich anfangen sollte.
Eine Mitarbeiterin der Schule tröstete mich am Telefon mit den Worten: „Ich verstehe sie, ich weiß auch nie, wie ich anfangen soll.“ Mein Gott, da waren Titel und Idee. Lagen die ganze Zeit vor meinen Augen: Anfangen.
Ist das nicht eines der größten Probleme von allen Auftritten und Vorträgen. „Wie fange ich an?“ Genauso habe ich den Vortrag und den Workshop betitelt. Und es hat geklappt. Ich habe eine Stunde über Anfänge, Nervosität und Mut erzählt und wie schnell sich Wege und Lösungen aufzeichnen können, wenn man erst einmal den ersten Schritt gemacht hat. Im Anschluss gab es noch zwei Impro-Spiele zu den Themen: „Wie betrete ich eine Bühne?“ und „Wie begrüße ich die Zuschauer?“
Alle waren glücklich. Ich auch, denn nur so kann ich mir erklären, dass ich mich danach habe breitschlagen lassen die nächste Abiturrede zu halten. Etwas, das ich vorher natürlich noch nie gemacht habe, aber den Titel hatte ich ja schon: „Abi – Ende und Anfang.“

Zwei Dinge hat mich dieses Erlebnis gelehrt: Wenn jemand nach einem erfolgreichen Auftritt sehr zielstrebig auf mich zu steuert, dann spiele erst einmal toten Mann und zwar solange bis meine Adrenalinausschüttung wieder ein halbwegs normales Level erreicht hat. Und ich habe verstanden, dass „Anfangen“ die halbe Miete ist. Lieber auch mal beginnen und scheitern, als immer nur auf Nummer sicher gehen und nie wirklich starten.
Da ich dieses Thema für so wichtig erachte, hatte ich ihm aschon eine ganze Artikel-Serie gewidmet habe (Anfangen Teil I & Teil II & Teil III).

1 Kommentar »

  • Florian Link schrieb:

    Diese Sache mit dem “Anfangen” hällt mich schon mein ganzes Leben fest. Ich wollte in meinen bald 20 Jahren schon einiges machen. Doch ich habe nie oder wenn dann nur selten den ersten Schritt gemacht und mal angefangen. Bestes Beispiel meine Website mit der ich erste Erfahrungen sammeln möchte in Sachen Comedy. Die Seite gibt es schon seit März oder April und alles was ich zustande gebracht habe sind ein paar wenige Artikel. Dabei ist mir die ganze Sache sehr ernst, aber ich weis nie wie ich anfangen soll.
    Vielleicht hat mir dieser Artikel ein wenig die Augen geöffnet und ich beginne endlich mal anzufangen und das zu machen, was ich schon immer machen wollte.

    Danke!

    Mfg
    Florian

    # 18. August 2009 um 02:45 Uhr

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