Vuvuzela sponsored by Public Viewing

Schade, es ist Fußballweltmeisterschaft und ich kann mir kein Spiel ansehen. Also können könnte ich ja schon, aber ich halte es nicht aus. Früher habe ich mir (zumindest die ersten vier Tage) jedes Spiel angeschaut, aber diesmal habe ich schon beim 2. Spiel (Uruguay – Frankreich) abgeschaltet.
Gut, das Spiel war auch langweilig, aber das hat mich noch nie abgehalten. Doch dieser Ton eines riesigen nicht abzustellenden Bienenschwarms hervorgerufen durch ein Plastikspielzeug namens Vuvuzela, geht gar nicht. Bin ich jetzt ein Rassist, weil ich diese Tradition nervig finde? Ist es nicht genau das Gegenteil? Nur weil die Fußball-WM in Afrika stattfindet und Herr Blattner es toll findet, dass jetzt auch der schwarze Kontinent sein Spiel mitmacht, erklärt er die Vuvuzela zum schützenswerten Kulturgut? Seine Begründung ist simpel und einfach: Die, deren Name ich nicht mehr nenne, gehört einfach zum südafrikanischen Fußball dazu.
Na und? Hooligans gehören auch zum europäischen Fußball und werden trotzdem nicht ins Stadion gelassen. Dieses Ding nervt genauso wie Hooligans und ist genauso gesundheitsschädlich.
Aber da ich mich schon seit Wochen auf diese WM gefreut habe, versuche ich trotzdem etwas positives an diesen Dingern zu finden. Samstagmorgen habe ich mir beim Tanken sogar heimlich selber eine gekauft, aber sobald ich beim Spiel Griechenland – Südkorea hinein blies, schwoll mein Kopf dermaßen verdächtig an, dass ich vom Spiel nichts mehr mitbekam.
Sorry, da kann ich auch Bier trinken. Da bekomme irgendwann auch nichts mehr mit, nerve aber nicht irgendeinen ahnungslosen und unschuldigen Zuschauer in Ukraine.
Während des Spiels Argentinien – Nigeria habe ich mir eingeredet, das dieses Geräusch möglicherweise eine schlaue Form der afrikanischen Hypersensibilisierung gegen Tinnitus sei. Und Tinnitus ist ja etwas, was uns Deutsche sehr beschäftigt. Dem ständigen Lärm des modernen Lebens ausgesetzt, leiden wir alle irgendwann am Tinnitus. Wenn uns nicht schon ein Hörsturz mit 24 hingerafft hat. Ich will aber jetzt noch nicht wissen, wie er irgendwann einmal klingen könnte. Beim Spiel England –USA kam ich mit dieser Erklärung auch nicht mehr weiter und habe aus Protest zweimal abgeschaltet. Und natürlich sofort wieder angeschaltet. Ich wollte doch wissen, ob die müden Engländer doch noch verlieren. Schade …
Der Sonntagmorgen war eine Qual. Ich saß vor meiner nagelneuen Flatscreen und wusste nicht was ich damit machen sollte. Ich war so verzweifelt, dass ich mir eben das Spiel Algerien gegen Slowenien in einem kleinen Biergarten angesehen habe. Und was muss ich sagen? Schon 150 bierfeste Fans reichen aus den Ton der Lautsprecheranlage zu übertönen. Fußballstimmung ohne Bienenschwärme!!!
Wenn ich es jetzt noch schaffe den Fernseher umzutauschen – ist die WM gerettet.
Denn die, dessen Name ich verschweige, ist ja in Köln im Stadion und beim Public Viewing verboten: sie sei eine mögliche Schlagwaffe. Tja, wir Deutschen wissen halt wie es geht…

Kleiner Tipp für die Einstellungen am nagelneuen Flatscreen:
http://neuerdings.com/2010/06/13/vuvuzela-filtern-so-daemmen-sie-die-bienenschwaerme-ein/
Na ja, eine südafrikanische Tradition ist dieser Krach eigentlich nicht, denn die Vuvuzelas wurde erst Mitte der 90er Jahre populär.
Um so absurder, dass es Herr Blattner behauptet.
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