How to be noch lustiger
Mein Stand-up A-Z habe ich vor knapp einem Jahr mit der Fertigstellung meines ersten Buches „How to be lustig“ beendet. Leider habe ich im vergangenen Jahr nicht genug inhaltliche Verbesserungsstellen gefunden, die eine komplett überarbeitete Version des Buches, geschweige denn ein zweites Buch rechtfertigen würden. Schade eigentlich, denn ich habe schon zwei Titel zur Auswahl. Entweder „How to be lustig reloaded“ oder „How to be noch lustiger“ und wie wichtig ein guter Titel für den Erfolg eines Programms oder Buches ist, habe ich ja schon ausführlich in dem Kapitel „T wie Titel“ beschrieben. Dennoch sind mir im vergangenen Jahr einige Themen aufgefallen, die ich entweder noch gar nicht behandelt habe oder Themen zu denen ich doch einige neue Anmerkungen habe. Es wird wahrscheinlich nicht für ein neues Buch reichen, aber wofür gibt es denn meinen Blog.
Hier als eine neue Episode für das Stand-Up A-Z:
„L wie Licht II“
Ich habe in den letzten Jahren immer wieder dafür plädiert als Stand-upper mit viel Zuschauerlicht zu arbeiten, um die Zuschauer gut sehen zu können und so eine direkte Verbindung zu den Zuschauern herzustellen. Tja … ich halte diese Lichtstimmung bei vielen Mix-Shows immer noch für sinnvoll, aber schon bei meinem eigenen Solo-Programm habe ich mich in den letzten Monaten von dieser Vorgabe verabschiedet. In Steve Martins Autobiografie “Born standing up – A comic’s life“, die ich leider nur zum Teil lesenswert fand, hat er beschrieben, wie wichtig es für ihn war, dass der Zuschauerraum komplett dunkel ist, damit sich die Zuschauer unbeobachtet fühlen um sich besser auf die Show konzentrieren zu können. Da hat er ja nicht ganz unrecht. Ärgerlich, denn ich will ja auch recht haben…
Wie immer geht es um die genaue Differenzierung. Vor allem bei Moderationen, wo ich stark mit dem Publikum agiere, brauche ich eine möglichst gute Sicht auf das Publikum. Je ruhiger eine Nummer ist, umso mehr wollen Zuschauer unbeobachtet sein. Wer möchte schon, dass der Nachbar sieht, wenn man Tränen in den Augen hat? Spielst du dein Programm vor relativ wenigen Zuschauern, macht es ebenfalls Sinn, dass du den Raum dunkel hältst, damit sich die Zuschauer möglichst wenig unwohl fühlen. Denn keiner ist gerne Zuschauer in einer wenig verkauften Aufführung. Auch wenn sich das niemand wünscht, passiert es selbst gut laufenden Künstler immer mal wieder, dass man vor erheblich weniger Zuschauern spielt, als der jeweilige Raum zulässt. Wie man mit dieser Situation umgeht ist sicherlich ein Thema für einen weiteren Artikel.
Zurück zum Licht. Bei Mixedshows mit hohem Tempo und vielen Künstlern stört ein gesundes Maß an Zuschauerlicht auf keinen Fall, spielst du aber dein Soloprogramm mit möglicherweise länger zusammenhängenden Parts, macht es oft Sinn den Zuschauerraum abzudunkeln.
Wenn du mit eigenem Techniker oder dem Haustechniker arbeitest, solltest du nicht nur die Lichtstimmung auf der Bühne festlegen, sondern besten Falls auch das Zuschauerlicht den einzelnen Showteilen anpassen. Z.B.: ruhige dunkle Stimmung für den Anfang, mehr Zuschauerlicht bei direkter Publikumsansprache, dann zurück zur abgedunkelten Stimmung. Vorsicht, nicht alle zwei Minuten wechseln, dass kann sowohl nerven als auch den Zuschauern dein Timing verraten, denn irgendwann kapieren sie, dass mehr Licht bedeutet: „Jetzt sind wir wieder dran.“
Falls du aber keine Chance hast, das Zuschauerlicht der Show anzupassen, suche wie immer nach einem vernünftigen Kompromiss. Grundsätzlich solltest du dich vor jeder Show in den Publikumsbereich setzen und die einzelnen Abdunklungsstufen durchgehen.
Jeder Raum ist anderes und jeder Raum verträgt unterschiedlich viel Licht. Der Waschsalon im Dunkeln ist langweilig, aber eine Oper verliert an Atmosphäre wenn sie taghell ist. Versetz dich IMMER in die Situation der Zuschauer. Wann fühlt man sich noch wohl, wann wird es zu dunkel oder zu hell. Werden Zuschauer geblendet? Dann Gegencheck von der Bühne. Siehst du noch jemanden? Kann man vielleicht etwas Bühnenlicht zur Aufhellung der ersten Reihen nutzen? Macht dir immer klar, ein guter Auftritt beginnt nicht mit dem ersten Satz, sondern mit einer vernünftigen Vorbereitung.
So das war der Anfang. Bin selber gespannt, welche Themen demnächst noch folgen. Viel Spaß …
Bild: CC by Cayusa



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